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14 ALPE | sommer
Wo die Zeit still steht:
Die Malenger Mühle ist
seit 500 Jahren in Betrieb.
Müller mit Leib und Seele:
Max Plunger beherrscht
sein Handwerk.
kulturhistorische Juwel in St. Vigil unterhalb von
Seis am Schlern muss nämlich gehegt und gepflegt
werden. Dabei wird er von seinen drei Töchtern und
seinem Schwiegersohn tatkräftig unterstützt. Martina,
Raimund, Sieglinde und Manuela helfen Max
bei der Arbeit mit dem Korn und der Mühle. Auf
dem Hof wird heute nur mehr Korn für den Eigengebrauch
angebaut. Vor allem geht es dem Malenger
Bauer aber darum, die alten Sorten zu erhalten.
Diese dürften auf keinen Fall verloren gehen, denn
Max misstraut der Gentechnik. „Man kann ja nie
wissen, wo das hinführt mit den genmanipulierten
Sorten“, meint der belesene und gut informierte
Bauer. Max weiß alles über seine Mühle, er kennt
jedes Rädchen und erkennt schon am Geräusch, ob
alles in Ordnung ist. Wann immer er Zeit hat, erzählt
er den am Hof vorbeikommenden Wanderern alles
über das Müllerhandwerk und den Getreideanbau.
Roggen, Weizen, Dinkel, Gerste und Buchweizen
werden am Malengerhof auf kleinen Feldern noch
ausgesät. Im Hochsommer können dann die „Kornschaber“,
so heißen die Figuren aus den Kornähren,
auf den Feldern bewundert werden. Interessant ist
das Ganze vor allem deshalb, weil Kornfelder in dieser
Gegend kaum mehr zu sehen sind. Auch kennt
heutzutage kaum jemand noch den Unterschied
zwischen einem Roggen und einem Weizen, zwischen
Gerste oder Buchweizen. Auch darüber weiß
Max genauestens Bescheid. Vor der Mühle hat er
verschiedene Kornähren liegen und die Körner
dazu in kleinen Gläsern auf der Bank vor der Mühle
ausgestellt. Viele sehen vielleicht zum ersten Mal in
ihrem Leben, wie ein Dinkelkorn aussieht und wie
eine Mühle funktioniert. So kann sich jeder Besucher
ein Bild davon machen, wie das Mehl für das
Brot früher hergestellt wurde.
Altes Müllerhandwerk. Das Innere der Mühle
mit den hölzernen Zahnrädern, den Bolzen und
den Mühlsteinen ist ein Schaustück über altes
Müllerhandwerk. An manchen Tagen setzt Max
die Mühle in Betrieb, um Interessierten zu zeigen,
wie das komplizierte Getriebe funktioniert,
wie das Mehl gemahlen wird. Die alte Mühle wird
mit dem Wasser des Frötschbaches betrieben.
Über eine Holzrinne, die im Bach versenkt wird,
rinnt das Wasser auf das Mühlrad aus Lärchenholz.
Oberhalb des Hofes, beim Heustadel, befindet
sich auch ein Wasserrad, das die Dreschmaschine
antreibt. In der Dreschmaschine trennt sich
die Spreu vom Korn. Das Stroh wird an die Tiere
verfüttert oder als „Strebe“ benutzt, das Korn zu
Mehl verarbeitet.
Auch alte Dokumente über die Mühle hat Max
gesammelt, Urkunden aus dem Museum in Innsbruck,
die belegen, dass die Malenger Mühle
schon 1525 in Betrieb war. Der dazugehörige Hof
wird bereits 1448 schriftlich erwähnt. Entlang des
Frötschbaches gab es früher einmal 15 Mühlen, von
denen heute nur noch die Malenger Mühle in Betrieb
ist. Vor nicht einmal einem halben Jahrhundert
hatten die Mühlen und der Getreidebau noch
einen hohen Stellenwert im bäuerlichen Alltag des
Schlerngebietes. Getreide wurde vor allem für den
Eigengebrauch angebaut, gemahlen hat der Müller
immer auch das Getreide für die Bauernhöfe der
Umgebung. Mindestens viermal im Jahr wurde auf
den Höfen Brot gebacken. Für dieses Brot bauten
die Bauern Roggen, Weizen und manchmal auch
Dinkel an. Und den Buchweizen, eigentlich kein
Getreide, sondern ein Knöterichgewächs, für das
„schwarzplentene Mus“. «
sommer | ALPE 15