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16 ALPE | sommer
Der Herbst
lockt mit satten
Farben und
süßen Früchten.
Wo Mauern sprechen
im „hof am Wasser“ wagten zwei Brüder
neues und verwandelten ein zerfallendes
Bauernhaus in einen urgemütlichen und beliebten
treffpunkt für Feinschmecker und Genießer.
Andreas zeigt mir ein Fotoalbum: die
Chronologie der Restaurierung des
Wassererhofes. Unglaublich, was er
und sein Zwillingsbruder Christoph
auf die Füße gestellt haben! 1996 hatte ihr Vater
das schon lange nicht mehr bewirtschaftete Anwesen
in Völser Ried gekauft: ein „Grompl“, würde
man auf gut Südtirolerisch sagen, aufgelassene
Weinberge und Wiesen in steilster Hanglage und
dazu die Hofstelle, bestehend aus drei baufälligen
Gebäuden. Aber, das muss man schon dazu sagen,
das Völser Ried, der steile Südhang, der sich
vom Eisacktal bis zum Hochplateau zu Füßen des
Schlern erstreckt, ist äußerst sonnenverwöhnt und
die Böden belohnen die harten Mühen, die die Bauern
auf sie verwenden, mit wohlschmeckendsten
Früchten jeder Art, vom knackigen Bergapfel bis zu
Pfirsichen und Aprikosen, süßen Zwetschgen und
Strauchbeeren und natürlich auch Weintrauben,
die hier optimal reifen können.
„Buschenschank“. Für Christoph Mock, den diplomierten
Landwirt, der bisher auf dem elterlichen
Weinhof bei Bozen tätig war, stellte die
Übernahme des Hofes eine gewaltige Herausforderung
dar. Aber natürlich auch die Gelegenheit,
Neues zu wagen. Zusammen mit seinem Bruder,
der eigentlich gelernter Buchhalter ist, aber als begeisterter
Hobbykoch schon längst nach kreativen
Ufern Ausschau hielt, entwickelte er eine Idee: Einen
„Buschenschank“ wollten sie aufmachen.
Sie wissen nicht, was ein Buschenschank ist?
Nun, der Name leitet sich vom Buschen ab, meist
einem Föhrenzweig, den Bauern früher über ih-
rer Haustür anbrachten, wenn sie nach der Ernte
auftischen wollten, was in Keller und Vorratskammer
gelagert war. Auch heute gibt es in Südtirol
noch viele Hof- und Buschenschänke, die meist
im Herbst zur Törggelezeit und im Frühjahr ihre
Stuben öffnen und neben gutem Eigenbauwein
auch köstliche bäuerliche Gerichte anbieten, für
die sie vorwiegend selbst erzeugte Produkte verwenden.
Sechs Jahrhunderte alt. Die Idee war natürlich
gut, aber angesichts der zerfallenden Mauern eigentlich
eine Zumutung. Die bequemste Lösung,
das Gebäude einfach abzureißen und neu zu errichten,
kam für die eigenwilligen Brüder auf keinen
Fall in Frage. Dazu sprachen die Jahrhunderte
alten Mauern mit ihren gotischen Sandsteinbögen
und den wuchtigen Gewölben eine zu deutliche
Sprache. Als Ansitz der Herren von Liechtenstein
wurde der „Hof am Wasser“, also am Eisackfluss,
bereits 1366 in der Völser Chronik erwähnt, und
eine mindestens sechshundert Jahre alte Geschichte
hatte viele reizvolle Spuren hinterlassen.
Eine befreundete Architektin machte ihnen Mut
und mit ihr erarbeiteten sie ein ungewöhnliches
Konzept. Charakter und Struktur des alten Gebäudes
sollten erhalten bleiben und mit der Design-
»
Text: Rosa Maria Erlacher
Fotos: Helmuth Rier
sommer | ALPE 17