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ALPE 2010

16 ALPE | sommer Der Herbst lockt mit satten Farben und süßen Früchten. Wo Mauern sprechen im „hof am Wasser“ wagten zwei Brüder neues und verwandelten ein zerfallendes Bauernhaus in einen urgemütlichen und beliebten treffpunkt für Feinschmecker und Genießer. Andreas zeigt mir ein Fotoalbum: die Chronologie der Restaurierung des Wassererhofes. Unglaublich, was er und sein Zwillingsbruder Christoph auf die Füße gestellt haben! 1996 hatte ihr Vater das schon lange nicht mehr bewirtschaftete Anwesen in Völser Ried gekauft: ein „Grompl“, würde man auf gut Südtirolerisch sagen, aufgelassene Weinberge und Wiesen in steilster Hanglage und dazu die Hofstelle, bestehend aus drei baufälligen Gebäuden. Aber, das muss man schon dazu sagen, das Völser Ried, der steile Südhang, der sich vom Eisacktal bis zum Hochplateau zu Füßen des Schlern erstreckt, ist äußerst sonnenverwöhnt und die Böden belohnen die harten Mühen, die die Bauern auf sie verwenden, mit wohlschmeckendsten Früchten jeder Art, vom knackigen Bergapfel bis zu Pfirsichen und Aprikosen, süßen Zwetschgen und Strauchbeeren und natürlich auch Weintrauben, die hier optimal reifen können. „Buschenschank“. Für Christoph Mock, den diplomierten Landwirt, der bisher auf dem elterlichen Weinhof bei Bozen tätig war, stellte die Übernahme des Hofes eine gewaltige Herausforderung dar. Aber natürlich auch die Gelegenheit, Neues zu wagen. Zusammen mit seinem Bruder, der eigentlich gelernter Buchhalter ist, aber als begeisterter Hobbykoch schon längst nach kreativen Ufern Ausschau hielt, entwickelte er eine Idee: Einen „Buschenschank“ wollten sie aufmachen. Sie wissen nicht, was ein Buschenschank ist? Nun, der Name leitet sich vom Buschen ab, meist einem Föhrenzweig, den Bauern früher über ih- rer Haustür anbrachten, wenn sie nach der Ernte auftischen wollten, was in Keller und Vorratskammer gelagert war. Auch heute gibt es in Südtirol noch viele Hof- und Buschenschänke, die meist im Herbst zur Törggelezeit und im Frühjahr ihre Stuben öffnen und neben gutem Eigenbauwein auch köstliche bäuerliche Gerichte anbieten, für die sie vorwiegend selbst erzeugte Produkte verwenden. Sechs Jahrhunderte alt. Die Idee war natürlich gut, aber angesichts der zerfallenden Mauern eigentlich eine Zumutung. Die bequemste Lösung, das Gebäude einfach abzureißen und neu zu errichten, kam für die eigenwilligen Brüder auf keinen Fall in Frage. Dazu sprachen die Jahrhunderte alten Mauern mit ihren gotischen Sandsteinbögen und den wuchtigen Gewölben eine zu deutliche Sprache. Als Ansitz der Herren von Liechtenstein wurde der „Hof am Wasser“, also am Eisackfluss, bereits 1366 in der Völser Chronik erwähnt, und eine mindestens sechshundert Jahre alte Geschichte hatte viele reizvolle Spuren hinterlassen. Eine befreundete Architektin machte ihnen Mut und mit ihr erarbeiteten sie ein ungewöhnliches Konzept. Charakter und Struktur des alten Gebäudes sollten erhalten bleiben und mit der Design- » Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier sommer | ALPE 17

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