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törggelen rund
um die seiser alm
Eine ganz besondere
Tradition in Südtirol
Im Herbst bricht man auf
zu Wanderungen durch die
herbstliche Natur zu Buschenschänken,
wo in alten
Stuben bei gerösteten
Kastanien, süßem Most,
Speck, Kaminwurzen,
Schüttelbrot und anderen
bodenständigen Gerichten
aus der Bauernküche gemütlich
beisammen gesessen
wird. Diese Törggele-
Zeit beginnt Mitte Oktober,
nachdem die Trauben gepresst
worden sind und der
Saft gekeltert ist, und dauert
bis Ende November.
Buschenschänke in der
Region finden Sie unter
www.seiseralm.it
18 ALPE | sommer
sprache des 21. Jahrhunderts verwoben werden.
Gleich begannen die Brüder mit der behutsamen
Restaurierung, was eigentlich zwei Jahre knochenharte
Arbeit bedeutete. „Was wir konnten, taten
wir selbst. Wir legten die Natursteinmauern frei,
schabten Ruß von den Balken, und wenn der Mond
richtig stand, schlägerten wir im Hofwald das Holz
für die Fußböden und den Dachstuhl“, erzählt Andreas.
Bemerkenswertes Ergebnis. Die bestehende
alte Struktur ist durchgehend sichtbar, „die Mauern
sollen sprechen“, wie Andreas es formuliert,
und das Mobiliar aus Naturholz erinnert in seiner
minimalistischen Einfachheit an die karge bäuerliche
Lebensweise vergangener Zeiten. Ungemütlich?
Nein, im Gegenteil, eine urgemütliche Atmosphäre
macht sich in den Stuben breit, wenn die
Lampen aus Muranoglas ihr warmes Licht verströmen
und die Gäste sich um die reich gedeckten Tische
versammeln.
Dann ist Andreas in seinem Element. In der hochmodernen
Küche bereitet er Südtiroler Spezialitäten
mit mediterraner Leichtigkeit zu. Knödel in
allen Variationen, deftige und süße, Teigtaschen
mit leckeren Füllungen und luftige Nocken, zartes
Lamm von der Seiser Alm oder Schlachtplatte,
Marmelade-Krapfen und Apfelstrudel zum Nachtisch.
Dazu gibt es natürlich Eigenbauwein oder
selbstgemachten Apfelsaft.
Ein ertragreiches Paradies ist nämlich inzwischen
aus dem heruntergekommenen Anwesen
geworden, mit neu angelegten Weinbergen, wo
Sauvignon Blanc, Müller-Thurgau und Zweigelt
gedeihen, mit ausgedehnten Obstanlagen und
Äckern, auf denen Kartoffeln und Gemüse angebaut
werden. Schade nur, dass eine geradewegs
darunter liegende Autobahnraststätte den Ausblick
stört. „Um die Landwirtschaft kümmert sich
mein Bruder Christoph, ich bin mehr für den Gastbetrieb
zuständig, aber natürlich helfen wir uns
gegenseitig“, sagt Andreas. Beide wohnen im Wassererhof,
in zwei Wohnungen über dem Buschenschank.
Hin und wieder schaut auch Hannes, ein
weiterer Mock-Bruder, vorbei. Dieser ist Jazzmusiker
und sein Rat ist dringlich gefragt, wenn es
darum geht, die monatlich stattfindenden Hofkonzerte
zu organisieren. Denn Musik gehört seit jeher
zu einem Buschenschank. Auch wenn sie beim
Wasserer dann doch etwas anders klingt, trendiger
vielleicht, zeitgemäßer, so wie sie eben zu diesem
besonderen Buschenschank passt. «
Einfach, aber stilvoll:
Im Wassererhof geben
Naturmaterialien den Ton an.
sommer | ALPE 19