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Im Bann der
Jahrhunderte
Text: Elisabeth Augustin
Fotos: Helmuth Rier
20 ALPE | sommer
»
Bodenständig und mit großer Begeisterung sammeln und vertreiben
Walter Grüner und Petra Gögele Kunsthandwerk und antiquitäten.
ihre leidenschaft gilt besonders Originellem aus dem alpenraum.
Ein wenig riecht es nach Kirche, und
auch die Aura alter Bauernhöfe
mischt sich unter den ganz speziellen
Geruch im „Anno Domini“. Der
Besucher wird beim Eintreten alsgleich
von unzähligen kleinen und großen Gegenständen
in den Bann gezogen: hier eine alte
Nähmaschine, dort eine handgeschnitzte Muttergottes
mit Kind; von der Holzdecke baumeln Luster
und Lampen unglaublicher Formen und Farben,
an den Wänden reihen sich Bilder liebevoll an
wohlgenährte Engel, neben bunt bemalten Bauernschränken
gesellen sich rote Lederstühle zum
antiken Tisch während ein Radio aus dem Anfang
des vorigen Jahrhunderts moderne Musik spielt
und im Hinterzimmer ein prächtiger Schrank aus
einer Sakristei auf einen Liebhaber wartet.
Das ist die Welt von Walter Grüner und Petra
Gögele. Das Paar teilt sich die ganz große Leidenschaft
für Antiquitäten und Kunsthandwerk und
verbringt den Großteil seiner Zeit mit der Restaurierung
alter Möbel und Gegenstände sowie
mit dem Verkauf derselben. „Zeit ist das, was uns
der Herrgott zur Verfügung gestellt hat, um das
Beste aus unseren Fähigkeiten zu machen“, sagt
Walter ganz nebenbei und muss für diesen weisen
Satz keinen großen Philosophen bemühen. Walter
und Petra betreiben seit dem Jahr 2000 ein Antiquitätengeschäft
am Ortseingang von Völs am
Schlern, das einzige weit und breit. Die große
Krise ist an ihrem Unternehmen fast spurlos vorüber
gegangen, „denn wir haben stets versucht,
bodenständig zu bleiben“, unterstreichen die beiden
Geschäftsleute. Unter Bodenständigkeit verstehen
sie neben angemessenen Preisen ihren
bedingungslosen Einsatz für das Geschäft, meist
an sieben Tagen in der Woche und in unzähligen
Nachtstunden.
Qualität und Originalität stehen für Walter und
Petra an erster Stelle, und nicht ohne Stolz erzählen
sie, dass jedes einzelne der unzähligen Stücke
im Laden durch ihre vier Hände gegangen ist. So
werden beispielsweise alte Lampen in minutiöser
Kleinarbeit zerlegt, repariert, gereinigt und wieder
zusammengebaut. Und wer im „Anno Domini“ einen
300 Jahre alten Bauernschrank ersteht, kann
sich sicher sein, dass er in neuwertigem Zustand
und ohne Holzwurm angeliefert wird. „Wir machen
aus alt neu“, erklärt der Antiquitätenhändler.
Eigentlich ist Walter Grüner gelernter Hotelkaufmann
und war 25 Jahre lang in der Gastronomie
tätig. Schließlich aber hat sein ausgeprägtes Interesse
für Kunst Überhand genommen und er
wagte mit einem Geschäftspartner in der Planung
und Fertigstellung von Stuben und Möbeln aus
Altholz einen Neuanfang. Endgültig am Ziel angekommen
ist Walter Grüner aber mit der Eröffnung
seines Antiquitätenladens, in dem er seit Jahren
aufgeht und mit Petra Gögele die beste Partnerin
an seiner Seite hat.
An all den herausgeputzten Gebrauchsgegenständen
kann sich das Auge des Kunst-Liebhabers nicht
genug sattsehen. Jedes Exponat hat eine eigene
Geschichte, wobei Walter und Petra nicht müde
werden, diese dem interessierten Betrachter zu erzählen.
„Wir wissen nicht alles, aber von allem ein
bisschen“, sagt Walter. Überhaupt lässt er nur solche
Dinge in sein Geschäft, von denen er etwas versteht.
Diese Grundhaltung definiert der Geschäfts-
»
Anno Domini:
kein Sammelsurium,
vielmehr ein
Gesamtkunstwerk.
sommer | ALPE 21