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ALPE 2010

Im Bann der Jahrhunderte Text: Elisabeth Augustin Fotos: Helmuth Rier 20 ALPE | sommer » Bodenständig und mit großer Begeisterung sammeln und vertreiben Walter Grüner und Petra Gögele Kunsthandwerk und antiquitäten. ihre leidenschaft gilt besonders Originellem aus dem alpenraum. Ein wenig riecht es nach Kirche, und auch die Aura alter Bauernhöfe mischt sich unter den ganz speziellen Geruch im „Anno Domini“. Der Besucher wird beim Eintreten alsgleich von unzähligen kleinen und großen Gegenständen in den Bann gezogen: hier eine alte Nähmaschine, dort eine handgeschnitzte Muttergottes mit Kind; von der Holzdecke baumeln Luster und Lampen unglaublicher Formen und Farben, an den Wänden reihen sich Bilder liebevoll an wohlgenährte Engel, neben bunt bemalten Bauernschränken gesellen sich rote Lederstühle zum antiken Tisch während ein Radio aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts moderne Musik spielt und im Hinterzimmer ein prächtiger Schrank aus einer Sakristei auf einen Liebhaber wartet. Das ist die Welt von Walter Grüner und Petra Gögele. Das Paar teilt sich die ganz große Leidenschaft für Antiquitäten und Kunsthandwerk und verbringt den Großteil seiner Zeit mit der Restaurierung alter Möbel und Gegenstände sowie mit dem Verkauf derselben. „Zeit ist das, was uns der Herrgott zur Verfügung gestellt hat, um das Beste aus unseren Fähigkeiten zu machen“, sagt Walter ganz nebenbei und muss für diesen weisen Satz keinen großen Philosophen bemühen. Walter und Petra betreiben seit dem Jahr 2000 ein Antiquitätengeschäft am Ortseingang von Völs am Schlern, das einzige weit und breit. Die große Krise ist an ihrem Unternehmen fast spurlos vorüber gegangen, „denn wir haben stets versucht, bodenständig zu bleiben“, unterstreichen die beiden Geschäftsleute. Unter Bodenständigkeit verstehen sie neben angemessenen Preisen ihren bedingungslosen Einsatz für das Geschäft, meist an sieben Tagen in der Woche und in unzähligen Nachtstunden. Qualität und Originalität stehen für Walter und Petra an erster Stelle, und nicht ohne Stolz erzählen sie, dass jedes einzelne der unzähligen Stücke im Laden durch ihre vier Hände gegangen ist. So werden beispielsweise alte Lampen in minutiöser Kleinarbeit zerlegt, repariert, gereinigt und wieder zusammengebaut. Und wer im „Anno Domini“ einen 300 Jahre alten Bauernschrank ersteht, kann sich sicher sein, dass er in neuwertigem Zustand und ohne Holzwurm angeliefert wird. „Wir machen aus alt neu“, erklärt der Antiquitätenhändler. Eigentlich ist Walter Grüner gelernter Hotelkaufmann und war 25 Jahre lang in der Gastronomie tätig. Schließlich aber hat sein ausgeprägtes Interesse für Kunst Überhand genommen und er wagte mit einem Geschäftspartner in der Planung und Fertigstellung von Stuben und Möbeln aus Altholz einen Neuanfang. Endgültig am Ziel angekommen ist Walter Grüner aber mit der Eröffnung seines Antiquitätenladens, in dem er seit Jahren aufgeht und mit Petra Gögele die beste Partnerin an seiner Seite hat. An all den herausgeputzten Gebrauchsgegenständen kann sich das Auge des Kunst-Liebhabers nicht genug sattsehen. Jedes Exponat hat eine eigene Geschichte, wobei Walter und Petra nicht müde werden, diese dem interessierten Betrachter zu erzählen. „Wir wissen nicht alles, aber von allem ein bisschen“, sagt Walter. Überhaupt lässt er nur solche Dinge in sein Geschäft, von denen er etwas versteht. Diese Grundhaltung definiert der Geschäfts- » Anno Domini: kein Sammelsurium, vielmehr ein Gesamtkunstwerk. sommer | ALPE 21

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