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22 ALPE | sommer
Walter Grüner und Petra Gögele
teilen ihre Begeisterung und
ihr Feingefühl für Originelles.
mann als eine „gewisse Ernsthaftigkeit“. Der Kauf
und Verkauf von Antiquitäten und Kunstgegenständen
sei reine Vertrauenssache, und Ehrlichkeit
das oberste Gebot. So findet sich in Grüners Laden
kein Silber, und auch Schmuck ist ihm „zu gefährlich“.
Sein Angebot definiert der Antiquitätenhändler
als „nicht hochgestapelt“: Bei ihm werde
Ländliches und Bäuerliches aus dem Alpenraum
angeboten, aus Südtirol, Tirol, Bayern und Österreich.
Das Sortiment ist nicht grundsätzlich auf eine
bestimmte Epoche festgelegt, aber den überwiegenden
Teil machen die ländlichen Bauernmöbel
aus, zu denen einzelne Objekte des Biedermeiers
und des Jugendstils einen wunderbaren Kontrast
bieten. In jedem Fall garantiert Walter Grüner mit
eigenem Namen für Qualität und Ursprung.
Die Kunden des „Anno Domini“ kommen vorwiegend
aus Südtirol und aus Italien, reisen aber auch
aus Deutschland, der Schweiz oder Holland an.
Aber was bitte macht ein Tiroler Bauernschrank
in Rom? „Er integriert sich super in eine moderne
Wohneinrichtung“, sagt Walter Grüner, ebenso
wie ein alter Bauerntisch zu Lederdesign-Stühlen
ein einzigartiges Nahverhältnis entwickeln könne.
Sehr schöne Gegensätze würden auch eine alte
Truhe zu einer modernen Couch oder ein alter
Leuchter zum minimalistischen Wohnraum abgeben.
Wenn Walter Grüner und Petra Gögele ihre
alten Möbel in Rom, Mailand oder Hamburg anliefern,
und das tun sie stets höchstpersönlich,
sehen sie selbst, wo ihre alten Stücke eine neue
Heimat finden. Die Kunden schätzen den persönlichen
Kontakt, und für das Völser Paar ist es nicht
nur eine gute Gelegenheit, nette Kontakte zu vertiefen,
sondern zugleich sämtliche Antiquitätenhändler
und Märkte der Stadt abzuklappern.
Walter Grüner ist glücklich darüber, dass sein Bekanntheitsgrad
mittlerweile so weit reicht, dass
ihm alte Möbel und Kunstgegenstände sowohl
von Privaten als auch von alten Antiquitätenhändlern,
die ihr Gewerbe aufgegeben haben, zum Kauf
angeboten werden: „So entsteht ein schöner Mix
aus Dingen.“ Diese Tatsache macht es nicht leichter,
den Ausstellungsraum von „Anno Domini“ mit
leeren Händen wieder zu verlassen. „Ja, ja“, grinst
Walter, „wer kommt, um eine Lampe zu kaufen,
geht mit einem Tisch, und wer vielleicht einen speziellen
Schrank gesucht hat, verliebt sich in vier
Stühle.“ Und nicht nur das mache diese Aufgabe
so einzigartig und erfüllend.
Übrigens. Die Suche nach Walter Grüner und Petra
Gögele im Internet ist zwecklos. Auch muss
Geduld haben, wer sich schnell mal ein Foto einer
bestimmten Kommode zuschicken lassen möchte.
Anstatt zum Computer greift Walter Grüner zur alten
Kamera und sendet die Bilder dem interessierten
Kunden per Post zu. „Soviel Zeit muss sein“,
merkt Walter Grüner an. Ja, wenn man bedenkt,
wie viele Jahrhunderte im „Anno Domini“ lagern,
dann wird die Zeit schnell zur Nebensache. «
Jeder Gegenstand
und jedes Kunstwerk
strahlt seine eigene
Geschichte aus.
sommer | ALPE 23