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ALPE 2010

22 ALPE | sommer Walter Grüner und Petra Gögele teilen ihre Begeisterung und ihr Feingefühl für Originelles. mann als eine „gewisse Ernsthaftigkeit“. Der Kauf und Verkauf von Antiquitäten und Kunstgegenständen sei reine Vertrauenssache, und Ehrlichkeit das oberste Gebot. So findet sich in Grüners Laden kein Silber, und auch Schmuck ist ihm „zu gefährlich“. Sein Angebot definiert der Antiquitätenhändler als „nicht hochgestapelt“: Bei ihm werde Ländliches und Bäuerliches aus dem Alpenraum angeboten, aus Südtirol, Tirol, Bayern und Österreich. Das Sortiment ist nicht grundsätzlich auf eine bestimmte Epoche festgelegt, aber den überwiegenden Teil machen die ländlichen Bauernmöbel aus, zu denen einzelne Objekte des Biedermeiers und des Jugendstils einen wunderbaren Kontrast bieten. In jedem Fall garantiert Walter Grüner mit eigenem Namen für Qualität und Ursprung. Die Kunden des „Anno Domini“ kommen vorwiegend aus Südtirol und aus Italien, reisen aber auch aus Deutschland, der Schweiz oder Holland an. Aber was bitte macht ein Tiroler Bauernschrank in Rom? „Er integriert sich super in eine moderne Wohneinrichtung“, sagt Walter Grüner, ebenso wie ein alter Bauerntisch zu Lederdesign-Stühlen ein einzigartiges Nahverhältnis entwickeln könne. Sehr schöne Gegensätze würden auch eine alte Truhe zu einer modernen Couch oder ein alter Leuchter zum minimalistischen Wohnraum abgeben. Wenn Walter Grüner und Petra Gögele ihre alten Möbel in Rom, Mailand oder Hamburg anliefern, und das tun sie stets höchstpersönlich, sehen sie selbst, wo ihre alten Stücke eine neue Heimat finden. Die Kunden schätzen den persönlichen Kontakt, und für das Völser Paar ist es nicht nur eine gute Gelegenheit, nette Kontakte zu vertiefen, sondern zugleich sämtliche Antiquitätenhändler und Märkte der Stadt abzuklappern. Walter Grüner ist glücklich darüber, dass sein Bekanntheitsgrad mittlerweile so weit reicht, dass ihm alte Möbel und Kunstgegenstände sowohl von Privaten als auch von alten Antiquitätenhändlern, die ihr Gewerbe aufgegeben haben, zum Kauf angeboten werden: „So entsteht ein schöner Mix aus Dingen.“ Diese Tatsache macht es nicht leichter, den Ausstellungsraum von „Anno Domini“ mit leeren Händen wieder zu verlassen. „Ja, ja“, grinst Walter, „wer kommt, um eine Lampe zu kaufen, geht mit einem Tisch, und wer vielleicht einen speziellen Schrank gesucht hat, verliebt sich in vier Stühle.“ Und nicht nur das mache diese Aufgabe so einzigartig und erfüllend. Übrigens. Die Suche nach Walter Grüner und Petra Gögele im Internet ist zwecklos. Auch muss Geduld haben, wer sich schnell mal ein Foto einer bestimmten Kommode zuschicken lassen möchte. Anstatt zum Computer greift Walter Grüner zur alten Kamera und sendet die Bilder dem interessierten Kunden per Post zu. „Soviel Zeit muss sein“, merkt Walter Grüner an. Ja, wenn man bedenkt, wie viele Jahrhunderte im „Anno Domini“ lagern, dann wird die Zeit schnell zur Nebensache. « Jeder Gegenstand und jedes Kunstwerk strahlt seine eigene Geschichte aus. sommer | ALPE 23

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