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ALPE 2010

Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier » Wie Urban zu seinem Alphorn kam majestätische töne fließen wie Wellen über die sanften hügel der seiser alm, verfangen sich in den umliegenden Felswänden und legen sich wie ein Klangteppich auf Wiesen und Wälder. Ja, es sind tatsächlich Alphornbläser, die diese wundervoll weichen und warmen und doch so voluminösen Klänge ihren archaisch anmutenden Instrumenten entlocken. Vier Männer pusten kräftig in zweimannlange Holzrohre, deren gebogenes Ende fest auf dem Boden aufliegt. Es sind aber keine importierten Schweizer Alphornbläser, wie man vielleicht annehmen könnte, weil das Alphorn ja bekanntlich zu den Schweizer Nationalsymbolen zählt. Nein, die Klangkünstler sind waschechte Südtiroler, genauer gesagt, es sind Kastelruther Gemeindebürger, was schon am hochgesteckten blauen Schurz erkennbar ist, einem typischen Kleidungsstück einheimischer Bauern. Nur die mächtigen konisch geformten und unten abgebogenen Holzrohre stammen aus der Schweiz, so wie das erste Alphorn, das Urban vor nunmehr dreißig Jahren bei einem eidgenössischen Hornbauer in Auftrag gegeben hatte. „Alphornbläser Seiser Alm“. Urban ist sozusagen das Urgestein der Gruppe „Alphornbläser Seiser Alm“. Er hat diese Gruppe gegründet, hat mit ihr Konzertauftritte in aller Herren Länder absolviert, und obwohl er die siebzig Lebensjahre schon längst überschritten hat, ist seine Liebe zum Alphorn nach wie vor ungebrochen. „Es war im Jahr 1980, als ein Schweizer Urlaubsgast sein Alphorn mit nach Kastelruth brachte und am Kofel eine Kostprobe seines Könnens zum Besten gab“, erinnert er sich. Das Instrument beeindruckte Urban, er war sofort Feuer und Flamme. Und er wollte partout ebenfalls ein Alphorn haben und natürlich versuchen, es zu spielen. So groß war sein Enthusias mus, dass er musikbegeisterte Freunde überzeugen konnte, mit ihm dieses Experiment zu wagen. „Die Spieltechnik, die dieses Instrument erfordert, war uns als Hornbläsern in der Musik- kapelle ja nicht gänzlich fremd“, erklärt er. Sofort beauftragte das Quartett einen Schweizer Hornbauer, vier Alphörner anzufertigen. „Die Begeisterung, mit der wir an die Sache drangingen, hat mit dazu beigetragen, dass wir in relativ kurzer Zeit über ein recht umfangreiches Repertoire verfügten“, erzählt Urban weiter. Alle Achtung, denn das Alphorn soll angeblich, gerade wegen seiner umwerfenden Einfachheit, zu den forderndsten Instrumenten überhaupt zählen! Denn das lange Holzrohr verfügt weder über Grifflöcher noch Klappen oder Ventile, einzig die ausgefeilte Atemtechnik vermag es, Töne zu erzeugen. So entstehen auf natürliche Weise Töne, sechzehn Naturtöne, die allerdings eine sehr große Bandbreite aufweisen. Sechzehn Naturtöne. „Die Atmungsluft wird mittels Zwerchfelldruck aus der Lunge ins Instrument geblasen“, erklärt Urban. Durch Vibration der Lippen wird die vorbeiströmende Luft in Schwingung versetzt. Die im Inneren des Alphorns liegende Luft wird dadurch erregt und beginnt zu schwingen. „Lasse ich die Lippen langsam vibrieren, erzeuge ich lange Wellen, es entsteht ein tiefer Ton“, sagt Urban. Schwingen hingegen die Lippen schnell, werden hohe Töne erzeugt. Die konische Trichterform des Alphorns dient in jedem Fall als akustischer Verstärker. Nach ersten Erfolgen im Schlerngebiet reiste die Gruppe zum Alphornbläsertreffen in die Schweiz, wo sie wichtige Kontakte und Freundschaften knüpfte. Bereits 1985 trafen sich Bläser aus ganz Europa auf der Seiser Alm, um in der herrlichen Landschaft zu musizieren und sich freundschaftlich zu messen. Seitdem zählt das im Abstand von » Klangkünstler: Das Alphorn verlangt dem Musikanten viel ab. 24 ALPE | sommer sommer | ALPE 25

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