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Ein Genuss für alle Sinne
Was gibt es schöneres, als zwei angenehme Dinge miteinander zu verbinden?
so lässt sich zuerst die landschaftliche schönheit entdecken, um dann den tag
beim gemeinsamen Kochen und essen ausklingen zu lassen.
Text: Barbara Pichler
Fotos: Helmuth Rier
»
In den vergangenen Jahren ist der Wunsch
nach typischem Südtiroler Essen gestiegen.
Eine einfache, bodenständige Kost aus frischen,
regionalen Zutaten erfreut sich immer
größ erer Beliebtheit“, ist Maria Anna Plunger vom
Patenerhof in St. Valentin überzeugt. So kam die
geschäftige Bäuerin auf die Idee, Kochkurse für
Gäste zu organisieren. Zusammen mit einer befreundeten
Bäuerin, Paula Prossliner vom Zemmerhof,
hat Maria Anna eine Ausbildung zur Referentin
über bäuerliche Esskultur absolviert. Ihrem
Projekt „Kochkurse auf dem Bauernhof“ stand somit
nichts mehr im Wege. Im neuen Wohnhaus neben
dem alten Bauernhof gibt es jetzt eine funktionelle
Küche und eine Stube, wo die gemeinsam
gekochten Köstlichkeiten in gemütlichem Rahmen
verzehrt werden.
Wandern und Genießen. Das Projekt startete in
Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Kastelruth
im Sommer 2009. Je nach Jahreszeit werden
Kochkurse zu verschiedenen Themen angeboten:
Kräutergenuss im Hochsommer, Knödel
und Strudel im Herbst, Weihnachtsbäckerei mit
dem bekannten Bauernzelten im Dezember und
schließlich Fastengerichte zur Osterzeit. Es ist ein
Streifzug durch die bäuerliche Küche Südtirols.
Doch die zünftigen Südtiroler Speisen muss sich
der Feinschmecker erst verdienen. Denn vor den
Gaumenfreuden stehen Landschaft und Kultur
auf dem Programm. Von einer Wanderführerin
wird die Gästegruppe, die am Dorfplatz von Kastelruth
losgeht, nach St. Valentin zum Patenerhof
begleitet. Entlang der Marinzenstraße, vorbei an
den Heiligenbildern des Bildstöckls beim Wegmacherhof,
geht es auf dem Wanderweg Nr. 6 bis zum
Scherer Platzl. Dann auf dem Weg Nr. 7 in Richtung
Süden, dem Schlern entgegen, vorbei an einem alten
Pestkreuz, bis zum Kirchlein St. Valentin. Die
schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnte Kirche
steht als wohl eines der beliebtesten Fotomotive
des Schlerngebietes in exponierter Lage ge-
genüber der imposanten Kulisse von Schlern und
Santner. Geheimnisvolle Sagen gibt es über ihren
Standort. Fresken aus dem 15. Jahrhundert schmükken
die Südfassade, der Heilige Christophorus, Patron
der Pilger, ist ebenso zu sehen wie die Anbetung
der Heiligen Drei Könige.
Kochen auf dem Patenerhof. Nach einer kurzen
Rast sind es nur noch ein paar Minuten bis zum
Patenerhof. Dort werden die hungrigen Wanderer
von der „Patenerin“ Maria Anna und von Paula
Prossliner bereits erwartet. Die beiden tüchtigen
Bäuerinnen werden die Gäste nun in die Geheimnisse
des Knödelkochens einweihen. Alle Teilnehmer
bekommen ein Rezeptheft: Knödel mit
Speck, Spinat, Käse und Leber, Pressknödel und
süße Topfen- und Zwetschgenknödel sollen gekocht
werden. In der Küche ist alles vorbereitet,
die Zutaten für die einzelnen Rezepte sind säuberlich
aufgereiht. Aber Zwiebeln hacken, Kartoffeln
schälen, das Knödelbrot abwiegen, rühren und
kneten müssen die Teilnehmer schon selbst. Maria
Anna und Paula halten sich im Hintergrund, beantworten
Fragen, geben Tipps und beobachten mit
geschultem Auge das Geschehen. Es riecht nach
gedünstetem Zwiebel, Speck, dampfenden Kartoffeln
und zum Schluss auch nach Bröseln mit Zucker
und Zimt. Schon nach einer Dreiviertelstunde werden
die Speckknödel in der Stube serviert. So geht
es weiter, eine Runde nach der anderen. Sieben
verschiedene Knödelarten, salzig oder süß, sollen
gekocht werden. Jedes Gericht wird von allen
gekostet. Beim gemeinsamen Essen in der Stube
werden Erfahrungen ausgetauscht, wobei die Erklärungen
und Tipps von Maria Anna und Paula auf
besonderes Interesse stoßen.
Das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“
trifft für den Kochkurs auf dem Patenerhof nicht
zu. Die Knödel sind alle köstlichst geraten, die Teilnehmer
hatten Spaß am Kochen und sind um die
Erkenntnis reicher, dass Knödelkochen überhaupt
keine Kunst ist. «
Maria Anna Plunger und Paula Prossliner
vermitteln bäuerliche Esskultur und begeistern
ihre Gäste mit bodenständiger Kost.
sommer | ALPE 29