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ALPE 2010

Ein Genuss für alle Sinne Was gibt es schöneres, als zwei angenehme Dinge miteinander zu verbinden? so lässt sich zuerst die landschaftliche schönheit entdecken, um dann den tag beim gemeinsamen Kochen und essen ausklingen zu lassen. Text: Barbara Pichler Fotos: Helmuth Rier » In den vergangenen Jahren ist der Wunsch nach typischem Südtiroler Essen gestiegen. Eine einfache, bodenständige Kost aus frischen, regionalen Zutaten erfreut sich immer größ erer Beliebtheit“, ist Maria Anna Plunger vom Patenerhof in St. Valentin überzeugt. So kam die geschäftige Bäuerin auf die Idee, Kochkurse für Gäste zu organisieren. Zusammen mit einer befreundeten Bäuerin, Paula Prossliner vom Zemmerhof, hat Maria Anna eine Ausbildung zur Referentin über bäuerliche Esskultur absolviert. Ihrem Projekt „Kochkurse auf dem Bauernhof“ stand somit nichts mehr im Wege. Im neuen Wohnhaus neben dem alten Bauernhof gibt es jetzt eine funktionelle Küche und eine Stube, wo die gemeinsam gekochten Köstlichkeiten in gemütlichem Rahmen verzehrt werden. Wandern und Genießen. Das Projekt startete in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Kastelruth im Sommer 2009. Je nach Jahreszeit werden Kochkurse zu verschiedenen Themen angeboten: Kräutergenuss im Hochsommer, Knödel und Strudel im Herbst, Weihnachtsbäckerei mit dem bekannten Bauernzelten im Dezember und schließlich Fastengerichte zur Osterzeit. Es ist ein Streifzug durch die bäuerliche Küche Südtirols. Doch die zünftigen Südtiroler Speisen muss sich der Feinschmecker erst verdienen. Denn vor den Gaumenfreuden stehen Landschaft und Kultur auf dem Programm. Von einer Wanderführerin wird die Gästegruppe, die am Dorfplatz von Kastelruth losgeht, nach St. Valentin zum Patenerhof begleitet. Entlang der Marinzenstraße, vorbei an den Heiligenbildern des Bildstöckls beim Wegmacherhof, geht es auf dem Wanderweg Nr. 6 bis zum Scherer Platzl. Dann auf dem Weg Nr. 7 in Richtung Süden, dem Schlern entgegen, vorbei an einem alten Pestkreuz, bis zum Kirchlein St. Valentin. Die schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnte Kirche steht als wohl eines der beliebtesten Fotomotive des Schlerngebietes in exponierter Lage ge- genüber der imposanten Kulisse von Schlern und Santner. Geheimnisvolle Sagen gibt es über ihren Standort. Fresken aus dem 15. Jahrhundert schmükken die Südfassade, der Heilige Christophorus, Patron der Pilger, ist ebenso zu sehen wie die Anbetung der Heiligen Drei Könige. Kochen auf dem Patenerhof. Nach einer kurzen Rast sind es nur noch ein paar Minuten bis zum Patenerhof. Dort werden die hungrigen Wanderer von der „Patenerin“ Maria Anna und von Paula Prossliner bereits erwartet. Die beiden tüchtigen Bäuerinnen werden die Gäste nun in die Geheimnisse des Knödelkochens einweihen. Alle Teilnehmer bekommen ein Rezeptheft: Knödel mit Speck, Spinat, Käse und Leber, Pressknödel und süße Topfen- und Zwetschgenknödel sollen gekocht werden. In der Küche ist alles vorbereitet, die Zutaten für die einzelnen Rezepte sind säuberlich aufgereiht. Aber Zwiebeln hacken, Kartoffeln schälen, das Knödelbrot abwiegen, rühren und kneten müssen die Teilnehmer schon selbst. Maria Anna und Paula halten sich im Hintergrund, beantworten Fragen, geben Tipps und beobachten mit geschultem Auge das Geschehen. Es riecht nach gedünstetem Zwiebel, Speck, dampfenden Kartoffeln und zum Schluss auch nach Bröseln mit Zucker und Zimt. Schon nach einer Dreiviertelstunde werden die Speckknödel in der Stube serviert. So geht es weiter, eine Runde nach der anderen. Sieben verschiedene Knödelarten, salzig oder süß, sollen gekocht werden. Jedes Gericht wird von allen gekostet. Beim gemeinsamen Essen in der Stube werden Erfahrungen ausgetauscht, wobei die Erklärungen und Tipps von Maria Anna und Paula auf besonderes Interesse stoßen. Das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ trifft für den Kochkurs auf dem Patenerhof nicht zu. Die Knödel sind alle köstlichst geraten, die Teilnehmer hatten Spaß am Kochen und sind um die Erkenntnis reicher, dass Knödelkochen überhaupt keine Kunst ist. « Maria Anna Plunger und Paula Prossliner vermitteln bäuerliche Esskultur und begeistern ihre Gäste mit bodenständiger Kost. sommer | ALPE 29

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