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Lila & Co.
im Blumenparadies
Text: Rosa Maria Erlacher
Fotos: Helmuth Rier
4 ALPE | sommer
»
Die unvergleichliche Flora auf der seiser alm
und im naturpark schlern-rosengarten
Kaum sind die letzten Schneeflecken
auf der Seiser Alm weggeschmolzen,
beginnt schon das
große Blühen. Das Gras noch
bleich und strähnig, verwandeln
es unzählige Frühlingskrokusse in ein lila schimmerndes
Meer, und dazwischen strecken sich
bereits die in seidenweiche Pelzchen gehüllten,
violett überlaufenen Frühlingsanemonen der
wärmenden Sonne entgegen. In den Blumenreigen
mischen sich zarte Schneeglöckchen, Primeln
und die rosablütigen „Pfaffenblumen“ (Pulsatella
vernalis). Wenn die Sonne höher steigt, können
die Schwefelanemonen ihre Zeit kaum erwarten,
sie wollen noch schöner, noch stattlicher sein und
schieben ihre Stängel hoch hinauf. Dazwischen das
Azurblau der Enziane und das Rosenrot der köst-
lich duftenden Steinröschen. Dann beginnen auch
die Wiesengräser zu sprießen, durchsetzt mit wilden
Orchideen, Prachtnelken, Brunellen (Nigritella)
in den unglaublichsten Farbschattierungen,
Arnika, Frühlingsenzianen, Goldprimeln, Maiglöckchen,
Glockenblumen, Feuer-, Paradies- und
Graslilien, Korb- und Lippenblütlern in mannigfachen
Farbvarianten, Trollblumen und und und ...
Ein Blütenparadies, wie es kaum ein zweites Mal
auf der Welt anzutreffen ist, ein einziges Jubilieren
in Farbe und Licht!
Edelweiß und Ehrenpreis. Doch auch auf den
Felshängen der umgebenden Dolomitenberge befreien
sich nun die Blütenpflanzen aus ihrem Winterschlaf
und erwachen zu neuem Leben. Eine
besondere Zierde der Felsen stellen die quadrat-
»
metergroßen silbernen Spaliere des Dolomitenfingerkrautes
mit den zartrosafarbenen Blüten
dar. Auch der Blaugrüne Steinbrech trotzt in Gesellschaft
von Edelweiß, Edelraute und Ehrenpreis
dem rauen Klima des Hochgebirges. Alpenmohn,
Gemskresse, Leimkraut und Mieren beleben das
ringsum kahle Felsgeröll. Schmuckstücke felsiger
Hänge sind ebenso die Alpenaster, die schopfige
Teufelskralle und die zarte, kleine Akelei mit dem
wissenschaftlichen Namen Aquilegia Eineseana.
Bis spät in den Herbst hinein erfreuen die rosa blühenden
Alpengrasnelken, wegen ihres zotteligen
Fruchtstandes auch „Schlernhexen“ genannt , das
Auge des Wanderers.
Selbst eine ellenlange Pflanzenliste könnte niemals
einen Eindruck dieser Blumenpracht ver-
mitteln. Man muss sie mit den eigenen Augen
gesehen und erlebt haben. Deshalb sind der
Juni und der Juli für Blumenfreunde ausgesprochene
Wonnemonate, in denen sie den Reichtum
und die Schönheit der Blumenwelt auf der Seiser
Alm in vollen Zügen genießen können. Doch
auch später kommen sie auf ihre Kosten, wenn
sie aufmerksamen Auges die herrliche Bergwelt
erwandern.
Optimale Bedingungen. Der ungewöhnliche
Reichtum der Schlernflora, so viel steht heute
fest, begründet sich in mehreren Ursachen. Verschiedene
Gesteinsarten, sowohl vulkanischen
wie sedimentären Ursprungs, bedingen natürlich
auch unterschiedliche Florengemeinschaften. Außerdem
hat die zentralalpine Lage ein verhältnis- »
sommer | ALPE 5