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ALPE 2010

Lila & Co. im Blumenparadies Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier 4 ALPE | sommer » Die unvergleichliche Flora auf der seiser alm und im naturpark schlern-rosengarten Kaum sind die letzten Schneeflecken auf der Seiser Alm weggeschmolzen, beginnt schon das große Blühen. Das Gras noch bleich und strähnig, verwandeln es unzählige Frühlingskrokusse in ein lila schimmerndes Meer, und dazwischen strecken sich bereits die in seidenweiche Pelzchen gehüllten, violett überlaufenen Frühlingsanemonen der wärmenden Sonne entgegen. In den Blumenreigen mischen sich zarte Schneeglöckchen, Primeln und die rosablütigen „Pfaffenblumen“ (Pulsatella vernalis). Wenn die Sonne höher steigt, können die Schwefelanemonen ihre Zeit kaum erwarten, sie wollen noch schöner, noch stattlicher sein und schieben ihre Stängel hoch hinauf. Dazwischen das Azurblau der Enziane und das Rosenrot der köst- lich duftenden Steinröschen. Dann beginnen auch die Wiesengräser zu sprießen, durchsetzt mit wilden Orchideen, Prachtnelken, Brunellen (Nigritella) in den unglaublichsten Farbschattierungen, Arnika, Frühlingsenzianen, Goldprimeln, Maiglöckchen, Glockenblumen, Feuer-, Paradies- und Graslilien, Korb- und Lippenblütlern in mannigfachen Farbvarianten, Trollblumen und und und ... Ein Blütenparadies, wie es kaum ein zweites Mal auf der Welt anzutreffen ist, ein einziges Jubilieren in Farbe und Licht! Edelweiß und Ehrenpreis. Doch auch auf den Felshängen der umgebenden Dolomitenberge befreien sich nun die Blütenpflanzen aus ihrem Winterschlaf und erwachen zu neuem Leben. Eine besondere Zierde der Felsen stellen die quadrat- » metergroßen silbernen Spaliere des Dolomitenfingerkrautes mit den zartrosafarbenen Blüten dar. Auch der Blaugrüne Steinbrech trotzt in Gesellschaft von Edelweiß, Edelraute und Ehrenpreis dem rauen Klima des Hochgebirges. Alpenmohn, Gemskresse, Leimkraut und Mieren beleben das ringsum kahle Felsgeröll. Schmuckstücke felsiger Hänge sind ebenso die Alpenaster, die schopfige Teufelskralle und die zarte, kleine Akelei mit dem wissenschaftlichen Namen Aquilegia Eineseana. Bis spät in den Herbst hinein erfreuen die rosa blühenden Alpengrasnelken, wegen ihres zotteligen Fruchtstandes auch „Schlernhexen“ genannt , das Auge des Wanderers. Selbst eine ellenlange Pflanzenliste könnte niemals einen Eindruck dieser Blumenpracht ver- mitteln. Man muss sie mit den eigenen Augen gesehen und erlebt haben. Deshalb sind der Juni und der Juli für Blumenfreunde ausgesprochene Wonnemonate, in denen sie den Reichtum und die Schönheit der Blumenwelt auf der Seiser Alm in vollen Zügen genießen können. Doch auch später kommen sie auf ihre Kosten, wenn sie aufmerksamen Auges die herrliche Bergwelt erwandern. Optimale Bedingungen. Der ungewöhnliche Reichtum der Schlernflora, so viel steht heute fest, begründet sich in mehreren Ursachen. Verschiedene Gesteinsarten, sowohl vulkanischen wie sedimentären Ursprungs, bedingen natürlich auch unterschiedliche Florengemeinschaften. Außerdem hat die zentralalpine Lage ein verhältnis- » sommer | ALPE 5

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