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mäßig niederschlagsarmes Kontinentalklima zur
Folge, was wiederum erklärt, warum der Schlern ein
botanisches Grenzgebiet sondergleichen darstellt.
So erreichen hier viele mediterrane Bergpflanzen
(Oreophyten) ihre Nordgrenze, nordische ihre
Südgrenze, und auch die für die Ost- und Westalpen
typischen Pflanzen treffen rund um den
Schlern aufeinander. Als botanischen Glücksfall
kann man es ebenfalls bezeichnen, dass die mächtigen
Wände des Schlerndolomits den eiszeitlichen
Gletscherstrom überragten. Dadurch konnten an
den besonnten Südflanken manche Pflanzenarten
diese unwirtlichen Jahrtausende überleben.
Bis vor tausend Jahren war die Seiser Alm von dichten
Wäldern bedeckt. Dann kamen die Bajuwaren
und erschlossen sich durch Brandrodung ausgedehntes
Weideland für ihre Rinderherden. Die erwähnte
vielfältige Bodenzusammensetzung, die
extensive Bewirtschaftung und der Wechsel zwischen
den sonnig-trockenen Kalksteinorten und
den von Lehmschichten abgedichteten Mooren,
auch die reiche Wasserführung in den Tälchen
schufen alsbald eine Vielfalt von ökologischen Nischen.
Kräuterreiche Magerrasen. Dank der über
Jahrhunderte gepflogenen naturnahen Bewirtschaftung
der Almen bildeten sich die charakteristischen
Magerrasen aus, auf denen eine kräuterreiche
Alpenflora die optimalen Bedingungen
vorfindet. Es ist noch nicht lange her, da zog alljährlich
im Hochsommer ein großer Teil der Bevölkerung
zur Heumahd hinauf auf die Schwaighütten.
Das Heu wurde in den Schupfen geborgen und
dann im Winter – in große Heutücher eingeknüpft
– auf Schlitten ins Tal gebracht. Bei den Bauern galt
das aromatische kräuter- und blumenreiche Almheu
als wahre Medizin. Es tat nicht nur dem Vieh
während der mageren Wintermonate gut; auch die
Menschen schätzten es und schwitzten sich beim
Heuliegen dank der ätherischen Kräuterdämpfe
das Rheumatische aus den Gliedern. Noch heute
erfreuen sich Liegekuren in getrocknetem Heu
von der Seiser Alm bei Einheimischen wie Gästen
großer Beliebtheit.
Paradies für Botaniker. Bereits früh hat diese Artenvielfalt
an Blumen, Kräutern und Sträuchern
das Interesse der Wissenschaftler geweckt und
das Gebiet weit über die Landesgrenzen hinaus
Außerordentliche Artenvielfalt:
Manche Pflanzenarten überlebten
die Jahrtausende.
berühmt gemacht. Von etwa 1825 an haben unzählige
Botaniker aus Italien und Mitteleuropa das
Schlerngebiet besucht. Ihre Forschungsergebnisse
wurden auf namhaften Kongressen ausgetauscht
und diskutiert, in Fachzeitschriften veröffentlicht
und haben das Interesse der Experten bis heute
wachgehalten. So ist die Schlernregion nicht nur
ein vorrangiges Ziel akademischer Exkursionen
geblieben, sondern stand in den vergangenen Jahren
ebenso im Mittelpunkt eines bedeutsamen
Forschungsauftrages.
„Habitat Schlern“. Im Rahmen des mehrjährigen
Projekts „Habitat Schlern“ erhoben Fachleute aus
dem In- und Ausland die Tier- und Pflanzenwelt an
vierzehn Standorten des Naturparks Schlern – Rosengarten.
Ziel war es, den aktuellen Zustand der
Biodiversität im Naturpark zu erheben. Eine Riesenarbeit,
wie man sich vorstellen kann. Aber auch
eine, für die die 60 Forscher reichlich belohnt wurden.
Insgesamt wurden am Schlern nämlich 4.862
Tier- und Pflanzenarten festgestellt, davon 794 Arten
von Blüten- und Farnpflanzen sowie 507 unterschiedliche
Moose und Flechten. Die gewonnenen
Daten wurden mit historischen verglichen. Die Gegenüberstellung
überraschte selbst die Wissenschaftler,
denn sie hatten nicht damit gerechnet,
mit welchem Artenreichtum dieses Gebiet immer
noch gesegnet ist. Zwar mussten sie im Bereich
der Flora einige Verluste feststellen, die auf Veränderungen
in der Landwirtschaft zurückzuführen
sind, möglicherweise aber auch auf Fehlbestimmungen
in den alten Angaben. Andererseits,
so stellten die Wissenschaftler fest, siedelten sich
neue Zuwanderer aus anderen Alpenregionen an:
Also eine insgesamt positive Bilanz für die Artenvielfalt
im Schlerngebiet.
Die Daten werden nun die Grundlage bilden für
weitere Verbesserungen im Naturpark-Management.
So etwa will man konkrete Maßnahmen setzen,
um Feuchtgebiete - also Waldmoore, Wasserläufe
und Teiche - mehr noch als bisher vor dem
Einfluss des Menschen zu schützen. Ebenso werden
noch mehr Anstrengungen unternommen,
damit sich auch kommende Generationen an der
einzigartigen Vielfalt der Flora auf der Seiser Alm
erfreuen können. Bereits jetzt können Bauern sogenannte
Umweltprämien in Anspruch nehmen,
wenn sie ihre Almwiesen extensiv bewirtschaften,
also auf Düngemittel jeder Art verzichten. «