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ALPE 2010

mäßig niederschlagsarmes Kontinentalklima zur Folge, was wiederum erklärt, warum der Schlern ein botanisches Grenzgebiet sondergleichen darstellt. So erreichen hier viele mediterrane Bergpflanzen (Oreophyten) ihre Nordgrenze, nordische ihre Südgrenze, und auch die für die Ost- und Westalpen typischen Pflanzen treffen rund um den Schlern aufeinander. Als botanischen Glücksfall kann man es ebenfalls bezeichnen, dass die mächtigen Wände des Schlerndolomits den eiszeitlichen Gletscherstrom überragten. Dadurch konnten an den besonnten Südflanken manche Pflanzenarten diese unwirtlichen Jahrtausende überleben. Bis vor tausend Jahren war die Seiser Alm von dichten Wäldern bedeckt. Dann kamen die Bajuwaren und erschlossen sich durch Brandrodung ausgedehntes Weideland für ihre Rinderherden. Die erwähnte vielfältige Bodenzusammensetzung, die extensive Bewirtschaftung und der Wechsel zwischen den sonnig-trockenen Kalksteinorten und den von Lehmschichten abgedichteten Mooren, auch die reiche Wasserführung in den Tälchen schufen alsbald eine Vielfalt von ökologischen Nischen. Kräuterreiche Magerrasen. Dank der über Jahrhunderte gepflogenen naturnahen Bewirtschaftung der Almen bildeten sich die charakteristischen Magerrasen aus, auf denen eine kräuterreiche Alpenflora die optimalen Bedingungen vorfindet. Es ist noch nicht lange her, da zog alljährlich im Hochsommer ein großer Teil der Bevölkerung zur Heumahd hinauf auf die Schwaighütten. Das Heu wurde in den Schupfen geborgen und dann im Winter – in große Heutücher eingeknüpft – auf Schlitten ins Tal gebracht. Bei den Bauern galt das aromatische kräuter- und blumenreiche Almheu als wahre Medizin. Es tat nicht nur dem Vieh während der mageren Wintermonate gut; auch die Menschen schätzten es und schwitzten sich beim Heuliegen dank der ätherischen Kräuterdämpfe das Rheumatische aus den Gliedern. Noch heute erfreuen sich Liegekuren in getrocknetem Heu von der Seiser Alm bei Einheimischen wie Gästen großer Beliebtheit. Paradies für Botaniker. Bereits früh hat diese Artenvielfalt an Blumen, Kräutern und Sträuchern das Interesse der Wissenschaftler geweckt und das Gebiet weit über die Landesgrenzen hinaus Außerordentliche Artenvielfalt: Manche Pflanzenarten überlebten die Jahrtausende. berühmt gemacht. Von etwa 1825 an haben unzählige Botaniker aus Italien und Mitteleuropa das Schlerngebiet besucht. Ihre Forschungsergebnisse wurden auf namhaften Kongressen ausgetauscht und diskutiert, in Fachzeitschriften veröffentlicht und haben das Interesse der Experten bis heute wachgehalten. So ist die Schlernregion nicht nur ein vorrangiges Ziel akademischer Exkursionen geblieben, sondern stand in den vergangenen Jahren ebenso im Mittelpunkt eines bedeutsamen Forschungsauftrages. „Habitat Schlern“. Im Rahmen des mehrjährigen Projekts „Habitat Schlern“ erhoben Fachleute aus dem In- und Ausland die Tier- und Pflanzenwelt an vierzehn Standorten des Naturparks Schlern – Rosengarten. Ziel war es, den aktuellen Zustand der Biodiversität im Naturpark zu erheben. Eine Riesenarbeit, wie man sich vorstellen kann. Aber auch eine, für die die 60 Forscher reichlich belohnt wurden. Insgesamt wurden am Schlern nämlich 4.862 Tier- und Pflanzenarten festgestellt, davon 794 Arten von Blüten- und Farnpflanzen sowie 507 unterschiedliche Moose und Flechten. Die gewonnenen Daten wurden mit historischen verglichen. Die Gegenüberstellung überraschte selbst die Wissenschaftler, denn sie hatten nicht damit gerechnet, mit welchem Artenreichtum dieses Gebiet immer noch gesegnet ist. Zwar mussten sie im Bereich der Flora einige Verluste feststellen, die auf Veränderungen in der Landwirtschaft zurückzuführen sind, möglicherweise aber auch auf Fehlbestimmungen in den alten Angaben. Andererseits, so stellten die Wissenschaftler fest, siedelten sich neue Zuwanderer aus anderen Alpenregionen an: Also eine insgesamt positive Bilanz für die Artenvielfalt im Schlerngebiet. Die Daten werden nun die Grundlage bilden für weitere Verbesserungen im Naturpark-Management. So etwa will man konkrete Maßnahmen setzen, um Feuchtgebiete - also Waldmoore, Wasserläufe und Teiche - mehr noch als bisher vor dem Einfluss des Menschen zu schützen. Ebenso werden noch mehr Anstrengungen unternommen, damit sich auch kommende Generationen an der einzigartigen Vielfalt der Flora auf der Seiser Alm erfreuen können. Bereits jetzt können Bauern sogenannte Umweltprämien in Anspruch nehmen, wenn sie ihre Almwiesen extensiv bewirtschaften, also auf Düngemittel jeder Art verzichten. «

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