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ALPE 2010

Königliche Aussicht Text: Rosa Maria Erlacher Fotos: Helmuth Rier » Wanderung auf der „Großen laranzer runde“ zur Königswarte Als 1867 die Brennerbahn in Betrieb ging und bald darauf eine Straße vom Tal herauf nach Kastelruth und Seis gebaut wurde, brach für das bis dahin unbedeutende Bergdörfchen Seis eine neue Zeit an. Wohlhabende Bozner richteten - angezogen von den klimatischen Vorzügen der Gegend und der landschaftlichen Schönheit - hier nun ihre Landhäuser für die Sommerfrische ein. Es entstanden Nobelherbergen, in denen betuchte Erholungssuchende aus aller Herren Länder die Sommermonate verbrachten, darunter die Schriftsteller Ibsen, Björn und Björson, der Pianist Friedmann, der Herzog von Aosta, der Wissenschaftler Max Valier und der Stardirigent Arturo Toscanini, ebenso russische Adlige und nicht zuletzt König Friedrich August von Sachsen mit seiner Familie. Der Naturfreund und Bergsteiger, der zwischen 1904 und 1932 mehrmals in den Dolomiten weilte und an der Ortschaft Seis offenbar besonderen Gefallen fand, wohnte im Hotel Salegg beziehungsweise in dessen Dependance, dem Laranzhof, und wanderte von dort gerne zu einem Aussichtspunkt am Westrand des Laranzer Waldes. In der Bevölkerung bürgerte sich bald die Bezeichnung „Königswarte“ ein. Königliche Aussicht. Im Laufe der Zeit geriet der König in Vergessenheit, aber der Name „Königswarte“ blieb. Alle dachten, dass die grandiose „königliche“ Aussicht das Wort geprägt hätte. Das war ja auch nicht so falsch, weil man von diesem kleinen Felssporn aus tatsächlich seine Blicke fast unbeschränkt schweifen lassen kann: weit über den Bozner Talkessel hinaus bis zu den Ötz- taler Gletschern, zur Ortlergruppe und hin zu den Hochgipfeln des Adamellomassivs, hinüber zum Ritten, wo hoch über dem Eisacktal das Kirchlein St. Verena auf einer Felskuppe thront. Zum Greifen nahe erscheinen uns das auf Augenhöhe gegenüber liegende Kirchlein St. Konstantin mit den umliegenden Bauernhöfen und die steil aufragenden Felswände des Schlern. Zu Füßen liegt der Pflegerhof, der bekannt ist für seinen biologischen Kräuteranbau und daneben erheben sich auf einem Felsensporn über der Schlucht des Weißgriesbaches die von Efeu überwucherten Ruinen der Burg Aichach, einst wehrhafter Sitz der Herren von Aichach und später der Herren von Kastelruth. Wie aber erreichen wir diese „Königswarte“? Am besten bei einer Wanderung über die „Große Laranzer Runde“, einem Rundweg, der um eine zwischen Seis und Kastelruth gelegene bewaldete Porphyrkuppe führt. Etwa zwei Stunden Gehzeit sollten wir für diese Wanderung veranschlagen, die wegen seiner geringen Steigungen auch gerne als Jogging-Route gewählt wird. Am kürzesten würde man den Laranzer Wald entlang der Landesstraße – sowohl von Seis wie von Kastelruth aus – erreichen. Doch es gibt hübschere Varianten. So wandern wir von Seis aus am besten zum Kirchlein St. Valentin und weiter über den Pestfriedhof nach Telfen. Für den Ausgangspunkt Kastelruth eignet sich hingegen der Steig mit der Markierung 5, der unterhalb vom Hotel Schönblick abbiegt und ebenfalls nach Telfen führt. Oder wir fahren mit dem Bus dorthin. » Herrlich gelegen: der Rundweg zwischen Seis und Kastelruth. 8 ALPE | sommer sommer | ALPE 9

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