Get the FLASH PLAYER to view this magazine:
- or -
View as HTML version
Königliche
Aussicht
Text: Rosa Maria Erlacher
Fotos: Helmuth Rier
»
Wanderung auf der „Großen laranzer runde“ zur Königswarte
Als 1867 die Brennerbahn in Betrieb
ging und bald darauf eine
Straße vom Tal herauf nach Kastelruth
und Seis gebaut wurde,
brach für das bis dahin unbedeutende
Bergdörfchen Seis eine neue Zeit an. Wohlhabende
Bozner richteten - angezogen von den
klimatischen Vorzügen der Gegend und der landschaftlichen
Schönheit - hier nun ihre Landhäuser
für die Sommerfrische ein. Es entstanden Nobelherbergen,
in denen betuchte Erholungssuchende
aus aller Herren Länder die Sommermonate verbrachten,
darunter die Schriftsteller Ibsen, Björn
und Björson, der Pianist Friedmann, der Herzog
von Aosta, der Wissenschaftler Max Valier und der
Stardirigent Arturo Toscanini, ebenso russische Adlige
und nicht zuletzt König Friedrich August von
Sachsen mit seiner Familie. Der Naturfreund und
Bergsteiger, der zwischen 1904 und 1932 mehrmals
in den Dolomiten weilte und an der Ortschaft
Seis offenbar besonderen Gefallen fand, wohnte
im Hotel Salegg beziehungsweise in dessen Dependance,
dem Laranzhof, und wanderte von dort
gerne zu einem Aussichtspunkt am Westrand des
Laranzer Waldes. In der Bevölkerung bürgerte sich
bald die Bezeichnung „Königswarte“ ein.
Königliche Aussicht. Im Laufe der Zeit geriet
der König in Vergessenheit, aber der Name „Königswarte“
blieb. Alle dachten, dass die grandiose
„königliche“ Aussicht das Wort geprägt hätte.
Das war ja auch nicht so falsch, weil man von diesem
kleinen Felssporn aus tatsächlich seine Blicke
fast unbeschränkt schweifen lassen kann: weit
über den Bozner Talkessel hinaus bis zu den Ötz-
taler Gletschern, zur Ortlergruppe und hin zu den
Hochgipfeln des Adamellomassivs, hinüber zum
Ritten, wo hoch über dem Eisacktal das Kirchlein
St. Verena auf einer Felskuppe thront. Zum
Greifen nahe erscheinen uns das auf Augenhöhe
gegenüber liegende Kirchlein St. Konstantin mit
den umliegenden Bauernhöfen und die steil aufragenden
Felswände des Schlern. Zu Füßen liegt
der Pflegerhof, der bekannt ist für seinen biologischen
Kräuteranbau und daneben erheben sich
auf einem Felsensporn über der Schlucht des
Weißgriesbaches die von Efeu überwucherten Ruinen
der Burg Aichach, einst wehrhafter Sitz der
Herren von Aichach und später der Herren von
Kastelruth.
Wie aber erreichen wir diese „Königswarte“? Am
besten bei einer Wanderung über die „Große Laranzer
Runde“, einem Rundweg, der um eine zwischen
Seis und Kastelruth gelegene bewaldete
Porphyrkuppe führt. Etwa zwei Stunden Gehzeit
sollten wir für diese Wanderung veranschlagen,
die wegen seiner geringen Steigungen auch gerne
als Jogging-Route gewählt wird.
Am kürzesten würde man den Laranzer Wald entlang
der Landesstraße – sowohl von Seis wie von
Kastelruth aus – erreichen. Doch es gibt hübschere
Varianten. So wandern wir von Seis aus am besten
zum Kirchlein St. Valentin und weiter über den
Pestfriedhof nach Telfen. Für den Ausgangspunkt
Kastelruth eignet sich hingegen der Steig mit der
Markierung 5, der unterhalb vom Hotel Schönblick
abbiegt und ebenfalls nach Telfen führt. Oder wir
fahren mit dem Bus dorthin.
»
Herrlich gelegen:
der Rundweg zwischen
Seis und Kastelruth.
8 ALPE | sommer sommer | ALPE 9