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30. Juli 2010 · Nr. 15 · Seite 9
Das Stadtmuseum - Das Projekt bald selbst museumsreif
Der Neubau bereits renoviert -
die beiden letzten Bauabschnitte
noch nicht begonnen. Unwürdig
präsentiert sich der Eingang zur
Geburtsstädte Merans, dem
Steinachviertel. Der Stadt fehlt
das Geld, den Bürgern das Verständnis.Partanes-Gastwirt
Oskar
Burchia „…hat
sie voll!“ Seine
Terrasse auf
dem Oberen
Pfarrplatz versucht
er - so gut
wie möglich - ansprechend zu gestalten.
Dafür brauchen er wie auch
seine Nachbarin von der Enothek
Claudia viele Blumenkübel, Tischdekoration,
Improvisationskunst
und Fantasie, um über das Flickwerk
von Asphalt, Rampen und
Parkplätzen hinwegsehen
zu
können. Besonderer
Dorn im
Auge der Geschäftsleute
ist
der Ansitz
Steinachheim
selbst. „Ok, das Geld fehlt in den
Gemeindekassen. Das kann ich
vielleicht noch verstehen, aber wenigstens
verpacken könnte man das
Haus - so wie in anderen Städten!“,
wünscht sich Gastwirtin Claudia
Cattacin. Geschäftsmann Rudolfo
Klöckner kann
längst nicht
mehr zählen,
wie oft er Touristen
Auskunft
über das Gebäude,
seinen Zustand
und die
geplante Zukunft geben musste.
1991 kauft die Gemeinde Meran
den Ansitz Steinachheim, hier soll
das neue Stadtmuseum entstehen.
Mit dem Projekt wird drei Jahre
später das Architekturbüro Walter
Gadner in Meran beauftragt. Aufgeteilt
in vier Baulose beginnt man
zunächst mit dem Aushub des Felsens
am Küchelberg und der Dachsanierung
des Altbaus. In einem
weiteren Bauabschnitt entsteht
zwischen dem Küchelberg und
dem Ansitz Steinachheim ein gradliniger
Neubau aus Sichtbeton,
Stahl und Glas. Im Laufe der Bautätigkeit
treten Schwierigkeiten
auf, denn die ausführende Baufirma,
Azzolini, arbeitet nicht zufriedenstellend.
So sind die Arbeiten
am Neubau zwar 2007 abgeschlossen,
nicht jedoch die zweite Bauphase.
Denn die Zusammenarbeit
mit Azzolini endet in einem
Rechtsstreit. Das Verfahren ist seit
letztem Sommer abgeschlossen,
die Gemeinde seitdem wieder Herr
über das Gebäude.
Zwischenzeitlich wurde eine Variante
entwickelt, die allerdings bisher
nicht eingereicht wurde. Diese
Variante sieht vor, im Dachgeschoss
anstelle eines Lagers die
Büros vorzusehen. 230.000€
Mehrkosten, sagt der zuständige
Ingenieur der Gemeinde, Andrea
Tedesco. „Die Kosten liegen jetzt
also bei ungefähr 2.530.000€.“ Das
sind Gelder, deren Zweck für Passanten
jedoch weiterhin unsichtbar
bleibt, denn sie betreffen das Innere
des Steinachheims. Für die Fassadengestaltung
fehlt weiterhin das
Geld.
Projekte wie die Sanierung des
ehemaligen Gaswerkgeländes in
der Totistraße haben die Gemeindekasse
über die Maßen strapa-
ziert, erklärt der gerade wieder gewählte
Bürgermeister Günther Januth.
Außerdem sei es wiederum
zu Verzögerungen gekommen, weil
man mit dem Denkmalamt eine
Lösung gesucht habe, um dem
Brandschutz sowie den Vorgaben
des Denkmalamtes gleichermaßen
gerecht zu werden. Im Jänner 2010
sei man sich mit dem Denkmalamt
einig gewesen.
Zuvor, im Advent 2009, wollte
man eine große, ansprechend gestaltete
Informationstafel an der
Fassade des Steinachheims anbringen,
eine günstigere Verpackungsvariante,
zu der Elmar Gobbi, Abteilungsleiter
für Bildung, Kultur
und Sozialwesen, angeregt hatte.
Ein Dreivierteljahr später hängt
auch diese Tafel nicht. Günther Januth
bestätig: „Das stimmt, das habe
ich versprochen und ich habe
den Projektsteuerer Ingenieur Tedesco
inzwischen ermahnt…“ Zuletzt
habe er ihn im Frühjahr 2010
erinnert.
Im Jahr 2000 etwa erhält unter verschiedenen
Bewerbern der Ausstellungsgestalter
Peter Karlhuber aus
Wien den Zuschlag. Er erstellt ein
Konzept, wie die Museumsstücke
ausgestellt werden könnten. Aus
dem Museumsprojekt ist er seit einiger
Zeit raus. Architekt Walter
Gadner habe sich nicht imstande
gesehen, dieses Konzept umzusetzen.
Übernommen hat die Aufgabe
Karlhubers inzwischen der Meraner
Architekt Markus Scherer.
„Wir werden sehr bald schon die
zweite Variante des dritten Bauloses
ausschreiben,“ verspricht Gemeindeingenieur
Tedesco, „solange
diese Arbeit noch nicht abgeschlossen
ist, kann auch nicht eingerichtet
werden.“
Indes wurde in die Sanierung des
Neubaus investiert. Im Winter
2008/2009 war ein Stück Felsen
vom Küchelberg abgebrochen und
Wasser ins Gebäude eingedrungen,
informiert Architekt Walter Gadner.
Bürgermeister Günther Januth im
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Das Museum sei in jedem Fall eines
der Hauptthemen bei den bevorstehenden
Klausurtagungen
Ende Juli und Anfang August, betont
Günther Januth, und stehe auf
der Liste der Gemeindevorhaben
ganz oben, wie bereits zu Beginn
der vergangenen Legislaturperiode.
11 Millionen Euro, die für den Bau
notwendig seien, überfordere die
Gemeinde finanziell schlichtweg,
sagt Januth. „Zum Glück haben wir
von Landesrätin Sabina Kasslatter
Mur eine Zusicherung für finanzielle
Unterstützung erhalten!“ Das
beträfe aber die Inneneinrichtung.
Die Einrichtung ist zwar damit
nicht gänzlich gezahlt, doch verringere
dieser Beitrag die Ausgaben
erheblich, denn die Gesamtlast,
für welche die Gemeinde aufzukommen
habe, sei erheblich,
stöhnt Januth. „Wir müssen ja bereits
die Rückzahlungen der Darlehen
machen, die wir für diese Summe
aufnehmen mussten!“, erklärt
er. Darum liege ihm viel daran, die
Bauarbeiten für den Innenausbau
des Steinachheims endlich auszuschreiben.
Die Arbeiten an Fresken
und Stuck sind hiervon ausgenommen.
Im Haushalt 2011 schließlich
soll die Gestaltung der Fassade berücksichtigt
werden.
Vielleicht sollte man die Gruppe
des Merano Arts Festivals un-defined
im nächsten Jahr den oberen
Pfarrplatz bespielen lassen.
Deren Aktionen scheinen ja auch
das Interesse der Landespolitiker
zu wecken. Vielleicht platzieren
die jungen Künstler dann auch eines
ihrer Sprachrohre vor dem
Steinachheim. Da würde dann automatisch
Auskunft über das Stadtmuseum
gegeben - Anrainer und
Geschäftsleute sind derer nämlich
langsam überdrüssig!
Gudrun Esser
Erstmals erwähnt wird der Bau auf
dem Pfarrplatz im Jahre 1397, damals
das Haus des Weinmessers.
Gaudens Mamming, ein Nachkomme
des ersten Bürgermeisters der
Stadt, kauft es 1530. Schließlich
wird in den Steuerlisten ab 1701
ein gewisser Benedict Graf von
Mamming zu Steinachheim erwähnt.
Die heute noch gültige Bezeichnung
„Steinachheim“ hingegen
taucht erstmals 1660 auf.
Quelle: Meraner Stadtarchiv, Elmar
Gobbi, Eva Gadner