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a k t u e l l
Mit energieeffizientem Bauen aus der Krise
Das Baugewerbe ist eine der
tragenden Säulen der Südtiroler
Wirtschaft. Rund 15.000
Menschen arbeiten in Südtirol
im Baugewerbe, 1879 Betriebe
sind in diesem Bereich tätig.
Berücksichtigen muss man
aber auch jene Bereiche, auf
die der Bausektor ebenfalls
Auswirkungen hat.
So braucht das Bauwesen Dienstleistungen,
z. B. von Planungsbüros,
Bauträgern oder Banken. Zudem
werden die unterschiedlichsten
Waren aus vorgelagerten Bereichen
bezogen: Bauholz, Beton, Energie,
Kraftstoffe und andere mehr. Auch
auf nachgelagerte Bereiche wirkt
sich die Bautätigkeit positiv aus, wie
beispielsweise auf die Hersteller von
Baumaschinen, die Immobilienwirtschaft,
die Möbelindustrie oder auch
Versicherungen“, gibt Thomas Ausserhofer
(Unionbau GmbH), Präsident
des Kollegiums der Bauunternehmer,
zu bedenken. Tatsächlich
bedeutet die Investition von einer
Milliarde Euro in die Bauwirtschaft
1,8 Milliarden Euro an Gesamtnachfrage,
wie eine Studie des gesamtstaatlichen
Dachverbandes der Bauunternehmer
ANCE belegt.
Die schwere Krise, die das Baugewerbe
derzeit durchlebt, hat somit auch
auf viele andere Gewerbezweige große
Auswirkungen. Anhand aktueller Zahlen
der Bauarbeiterkasse wird deutlich,
wie schwer es das Baugewerbe in
den vergangenen Monaten hatte: Die
Anzahl der aktiven Unternehmen sank
von 2003 bis 2010 um knapp 500. Die
Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden
ist von 2003 bis 2010 um 21 Prozent
gesunken, in absoluten Zahlen heißt
das, dass mehr als 4,1 Mio. weniger
Stunden gearbeitet wurde. Die Anzahl
der beschäftigten Arbeiter ist von 2003
bis 2010 um 4301 zurückgegangen.
Heute werden in Südtirol
über 90 Prozent der anfallenden
Baurestmassen aufbereitet
und wieder verwendet.
„Die Situation ist sicherlich nicht
einfach, gerade im Bereich energieeffizientes
Bauen gibt es für unsere
Unternehmen aber viel Potenzial“,
ist der Vizepräsident des Kollegiums,
Roberto Caser (Caser&Söhne GmbH),
überzeugt. Vor dem Hintergrund der
weltweit knapper werdenden fossilen
Energieträger und der damit verbundenen
zunehmenden Verteuerung von
Energie hat sich die EU zum Ziel gesetzt,
durch einschlägige Maßnahmen
den Energieverbrauch von Gebäuden
zu senken. Eine im Jahre 2009 verabschiedete
Richtlinie sieht vor, dass
ab 2020 in der Europäischen Union
nur noch „fast-Null-Energiehäuser“
gebaut werden dürfen. In Südtirol
möchte man dieses Ziel bereits 2015
erreichen, in dem nur noch KlimaHäuser
A errichtet werden sollen.
„Energieeffizientes Bauen ist nachhaltig,
schont die Umwelt und ermöglicht
langfristig erhebliche Kosteneinsparungen.
Das „Fast-Null-Energiehaus“
geht dabei noch einen Schritt weiter:
Nicht nur der Verbrauch wird minimiert,
sondern die vom Haus verbrauchte
Energie wird auch selbst
erzeugt“, so Caser. Zwar sind die Kosten
für den Bau eines solchen Hauses
höher als jene für ein konventionelles
Haus, dafür können diese Mehrkosten
aber in wenigen Jahren amortisiert
werden.
Renovierung von bestehender
Bausubstanz
Immer mehr an Bedeutung gewinnt in
diesem Zusammenhang auch die Renovierung
von bestehender Bausubstanz.
2009 erfolgten in Südtirol insgesamt
2487 bauliche Wiedergewinnungsarbeiten,
mit einem Anstieg um
knapp dreizehn Prozent gegenüber
dem Jahr 2008. Für 1333 Bauarbeiten
wurde eine Baugenehmigung ausgestellt,
für die restlichen 1154 war
eine Mitteilung ausreichend. „Dies
bedeutet, dass die Mehrheit der baulichen
Maßnahmen nur geringe Auswirkungen
auf die Stadtbildgestaltung
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hatten. Die meisten Eingriffe betrafen
die Erneuerung der Gebäudehülle, gefolgt
von Zimmermannsarbeiten und
der Erneuerung von Türen, Fenstern
und Treppen“, erklärt Caser.
Kürzlich veröffentlichte Daten des
Landesstatistikinstituts ASTAT zeigen,
dass die Wiedergewinnungsarbeiten
vorwiegend an Gebäuden erfolgten,
die zwischen 1946 und 1971 erbaut
wurden (812 Häuser bzw. 32,6 Prozent).
18,1 Prozent (421 Häuser) der
sanierten Gebäude wurden zwischen
1972 und 1981 errichtet, und 12,7
Prozent (317 Häuser) vor 1919. Der
Großteil der Wiedergewinnungsarbeiten
erfolgte in Bozen (865 Maßnahmen).
„Der sparsame Umgang mit den
Ressourcen ist dem Kollegium der
Bauunternehmer aber nicht erst seit
kurzem ein Anliegen. Bestes Beispiel
dafür ist die Wiederverwertung von
Baurestmassen. Bereits 1992 wurde
das gemeinsam vom Kollegium der
Bauunternehmer und dem Konsortium
Bauschutt ausgearbeitete Landesprogramm
zur Wiedergewinnung von
Baurestmassen umgesetzt. Heute werden
in Südtirol über 90 Prozent der
anfallenden Baurestmassen aufbereitet
und wieder verwendet“, so Thomas
Ausserhofer.
Einsatz von Recycling-Baustoffen
In den Mitgliedsstaaten der EU verursachen
Baumaßnahmen etwa die
Hälfte des gesamten Abfallaufkommens.
In Südtirol bedeutet dies, dass
jährlich ca. 880.000 Tonnen (Stand
2006) Baurestmassen anfallen. Ein
Teil wird nach entsprechender Aufbereitung
(Brechen, Entfernen von Verunreinigungen,
Sieben, Klassieren) im
Bauwesen wiederverwendet und ersetzt
so eine nicht unerhebliche Menge
an Rohstoffen. Ein weiterer Teil wird
direkt vor Ort eingesetzt (Auffüllungen
bei Rohrverlegungen, Landschaftsgestaltung,
u.a.m.).
„Die Einsatzmöglichkeiten für Recycling-Baustoffe
sind nahezu unbegrenzt.
In Südtirol sind die Qualität
und die Art und Weise der Verwendung
dieser Materialien strikt geregelt.
Leider gibt es aber immer noch viele –
unbegründete – Vorurteile gegenüber
diesem wertvollen Recyclingmaterial“,
erklärt Thomas Ausserhofer. Gerade
bei der Sanierung von Straßen wird
nur selten Gebrauch von Baurestmassen
gemacht. „Das ist schade, zumal
viele Bauschutt-Recyclinganlagen zusehends
an ihre Kapazitätsgrenzen
stoßen. Um keine neuen Deponien
errichten zu müssen und Rohstoffe zu
sparen, setzen wir uns gemeinsam mit
dem Konsortium Bauschutt dafür ein,
dass auch in Südtirol der Einbau einer
bestimmten Menge an Bauschutt beim
Bau oder der Erneuerung von Straßen
und Wegen verbindlich vorgesehen
wird“, so Ausserhofer.
Dem Kollegium der Bauunternehmer
gehören südtirolweit rund 150 Betriebe
an, die insgesamt rund 6000 Mitarbeiter
beschäftigen.
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