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Radius Bauen 2011

a k t u e l l Mit energieeffizientem Bauen aus der Krise Das Baugewerbe ist eine der tragenden Säulen der Südtiroler Wirtschaft. Rund 15.000 Menschen arbeiten in Südtirol im Baugewerbe, 1879 Betriebe sind in diesem Bereich tätig. Berücksichtigen muss man aber auch jene Bereiche, auf die der Bausektor ebenfalls Auswirkungen hat. So braucht das Bauwesen Dienstleistungen, z. B. von Planungsbüros, Bauträgern oder Banken. Zudem werden die unterschiedlichsten Waren aus vorgelagerten Bereichen bezogen: Bauholz, Beton, Energie, Kraftstoffe und andere mehr. Auch auf nachgelagerte Bereiche wirkt sich die Bautätigkeit positiv aus, wie beispielsweise auf die Hersteller von Baumaschinen, die Immobilienwirtschaft, die Möbelindustrie oder auch Versicherungen“, gibt Thomas Ausserhofer (Unionbau GmbH), Präsident des Kollegiums der Bauunternehmer, zu bedenken. Tatsächlich bedeutet die Investition von einer Milliarde Euro in die Bauwirtschaft 1,8 Milliarden Euro an Gesamtnachfrage, wie eine Studie des gesamtstaatlichen Dachverbandes der Bauunternehmer ANCE belegt. Die schwere Krise, die das Baugewerbe derzeit durchlebt, hat somit auch auf viele andere Gewerbezweige große Auswirkungen. Anhand aktueller Zahlen der Bauarbeiterkasse wird deutlich, wie schwer es das Baugewerbe in den vergangenen Monaten hatte: Die Anzahl der aktiven Unternehmen sank von 2003 bis 2010 um knapp 500. Die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden ist von 2003 bis 2010 um 21 Prozent gesunken, in absoluten Zahlen heißt das, dass mehr als 4,1 Mio. weniger Stunden gearbeitet wurde. Die Anzahl der beschäftigten Arbeiter ist von 2003 bis 2010 um 4301 zurückgegangen. Heute werden in Südtirol über 90 Prozent der anfallenden Baurestmassen aufbereitet und wieder verwendet. „Die Situation ist sicherlich nicht einfach, gerade im Bereich energieeffizientes Bauen gibt es für unsere Unternehmen aber viel Potenzial“, ist der Vizepräsident des Kollegiums, Roberto Caser (Caser&Söhne GmbH), überzeugt. Vor dem Hintergrund der weltweit knapper werdenden fossilen Energieträger und der damit verbundenen zunehmenden Verteuerung von Energie hat sich die EU zum Ziel gesetzt, durch einschlägige Maßnahmen den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken. Eine im Jahre 2009 verabschiedete Richtlinie sieht vor, dass ab 2020 in der Europäischen Union nur noch „fast-Null-Energiehäuser“ gebaut werden dürfen. In Südtirol möchte man dieses Ziel bereits 2015 erreichen, in dem nur noch KlimaHäuser A errichtet werden sollen. „Energieeffizientes Bauen ist nachhaltig, schont die Umwelt und ermöglicht langfristig erhebliche Kosteneinsparungen. Das „Fast-Null-Energiehaus“ geht dabei noch einen Schritt weiter: Nicht nur der Verbrauch wird minimiert, sondern die vom Haus verbrauchte Energie wird auch selbst erzeugt“, so Caser. Zwar sind die Kosten für den Bau eines solchen Hauses höher als jene für ein konventionelles Haus, dafür können diese Mehrkosten aber in wenigen Jahren amortisiert werden. Renovierung von bestehender Bausubstanz Immer mehr an Bedeutung gewinnt in diesem Zusammenhang auch die Renovierung von bestehender Bausubstanz. 2009 erfolgten in Südtirol insgesamt 2487 bauliche Wiedergewinnungsarbeiten, mit einem Anstieg um knapp dreizehn Prozent gegenüber dem Jahr 2008. Für 1333 Bauarbeiten wurde eine Baugenehmigung ausgestellt, für die restlichen 1154 war eine Mitteilung ausreichend. „Dies bedeutet, dass die Mehrheit der baulichen Maßnahmen nur geringe Auswirkungen auf die Stadtbildgestaltung a k t u e l l hatten. Die meisten Eingriffe betrafen die Erneuerung der Gebäudehülle, gefolgt von Zimmermannsarbeiten und der Erneuerung von Türen, Fenstern und Treppen“, erklärt Caser. Kürzlich veröffentlichte Daten des Landesstatistikinstituts ASTAT zeigen, dass die Wiedergewinnungsarbeiten vorwiegend an Gebäuden erfolgten, die zwischen 1946 und 1971 erbaut wurden (812 Häuser bzw. 32,6 Prozent). 18,1 Prozent (421 Häuser) der sanierten Gebäude wurden zwischen 1972 und 1981 errichtet, und 12,7 Prozent (317 Häuser) vor 1919. Der Großteil der Wiedergewinnungsarbeiten erfolgte in Bozen (865 Maßnahmen). „Der sparsame Umgang mit den Ressourcen ist dem Kollegium der Bauunternehmer aber nicht erst seit kurzem ein Anliegen. Bestes Beispiel dafür ist die Wiederverwertung von Baurestmassen. Bereits 1992 wurde das gemeinsam vom Kollegium der Bauunternehmer und dem Konsortium Bauschutt ausgearbeitete Landesprogramm zur Wiedergewinnung von Baurestmassen umgesetzt. Heute werden in Südtirol über 90 Prozent der anfallenden Baurestmassen aufbereitet und wieder verwendet“, so Thomas Ausserhofer. Einsatz von Recycling-Baustoffen In den Mitgliedsstaaten der EU verursachen Baumaßnahmen etwa die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens. In Südtirol bedeutet dies, dass jährlich ca. 880.000 Tonnen (Stand 2006) Baurestmassen anfallen. Ein Teil wird nach entsprechender Aufbereitung (Brechen, Entfernen von Verunreinigungen, Sieben, Klassieren) im Bauwesen wiederverwendet und ersetzt so eine nicht unerhebliche Menge an Rohstoffen. Ein weiterer Teil wird direkt vor Ort eingesetzt (Auffüllungen bei Rohrverlegungen, Landschaftsgestaltung, u.a.m.). „Die Einsatzmöglichkeiten für Recycling-Baustoffe sind nahezu unbegrenzt. In Südtirol sind die Qualität und die Art und Weise der Verwendung dieser Materialien strikt geregelt. Leider gibt es aber immer noch viele – unbegründete – Vorurteile gegenüber diesem wertvollen Recyclingmaterial“, erklärt Thomas Ausserhofer. Gerade bei der Sanierung von Straßen wird nur selten Gebrauch von Baurestmassen gemacht. „Das ist schade, zumal viele Bauschutt-Recyclinganlagen zusehends an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Um keine neuen Deponien errichten zu müssen und Rohstoffe zu sparen, setzen wir uns gemeinsam mit dem Konsortium Bauschutt dafür ein, dass auch in Südtirol der Einbau einer bestimmten Menge an Bauschutt beim Bau oder der Erneuerung von Straßen und Wegen verbindlich vorgesehen wird“, so Ausserhofer. Dem Kollegium der Bauunternehmer gehören südtirolweit rund 150 Betriebe an, die insgesamt rund 6000 Mitarbeiter beschäftigen. 6 01/2011 01/2011 7

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