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Radius Energie und Umwelt 2017

Umweltlandesrat Richard Theiner über die Schwierigkeiten, die er bei seiner Amtsübernahme vor vier Jahren vorgefunden hat, und über die Notwendigkeit einer energiepolitischen Wende. > Radius: Landesrat Richard Theiner, als Sie 2014 die politische Verantwortung für die Bereiche Raumentwicklung, Umwelt und Energie übernommen haben, stand der Bereich Energie heftig in der Kritik. Was hat sich seitdem getan? LR Richard Theiner: Die Ausgangslage war alles andere als einfach. Das Land durchlebte eine schwere Krise, die vor allem geprägt war vom Verlust an Glaubwürdigkeit. Zudem waren mehrere Gerichtsverfahren anhängig, und wir hatten Schadenersatzklagen von über 1,5 Milliarden Euro zu bewältigen. Die Voraussetzungen für eine neue Energiepolitik waren folglich sehr schwierig. > Radius: Sie sprechen hier die Manipulation der SEL-Gesuche an? LR Theiner: Richtig. Es ging um die großen Wasserableitungskonzessionen und also auch um viel Geld. Meine primäre Aufgabe als zuständiger Landesrat sah ich deshalb darin, so schnell wie möglich das herzustellen, was für alle wichtig ist, nämlich Rechtssicherheit. Als Landesregierung haben wir uns dafür entschieden, dieses schwierige Problem durch eine Neubewertung der Konzessionsvergabe und durch Verhandlungen mit den Konzessionswerbern zu lösen. Wir stützten uns dabei auf ein Gutachten von Professor Giuseppe Caia aus Bologna, der für die Rechtmäßigkeit dieser Vorgangsweise einsteht. > Radius: Gab es große Bedenken, dass dieser Ansatz nicht zielführend sein könnte? LR Theiner: Viele waren überzeugt, dass es nicht gelingen würde, einen Ausweg aus dieser verfahrenen Situation zu finden. Eine wesentliche Voraussetzung war das Gespräch mit allen Beteiligten, mit Gemeinden, privaten Unternehmen, ja selbst mit der Gerichtsbehörde. Wir mussten eine neue Vertrauensbasis schaffen, denn nur so war eine Lösung möglich. Aus diesem Grund habe ich im Februar 2014 den „Energietisch“ eingerichtet. In dieser Expertenrunde erarbeiteten Vertreter der Energiebetriebe gemeinsam mit den zuständigen Beamten die Grundlagen für ein neues Landesgesetz für kleine und mittlere Abteilungen, Kriterien für sensible Wasserabschnitte und einen Masterplan für die Erneuerung des Südtiroler Hochspannungsnetzes. > Radius: Worin hat diese Lösung bestanden? LR Theiner: In der Neubewertung der 2011 zugewiesenen Wasserkonzessionen. Im März 2015 konnten wir dann als Landesregierung diese Konzessionen definitiv vergeben. Damit war die Rechtmäßigkeit wiederhergestellt und die aktuell 05/2017 9 Auf dem Weg zum KlimaLand Landesrat Richard Theiner Voraussetzung geschaffen für die Übernahme der Enel- sowie der Edison-Anteile und die Fusion zwischen Sel und Etschwerken. > Radius: Wie würden Sie die derzeitige Situation im Energiesektor beschreiben? LR Theiner: Ich würde sie als sehr gut beschreiben. Es gibt im Land eine Vielzahl erneuerbarer Energieträger wie Wasser, Sonne, Biomasse, die nachhaltig genutzt werden: So konnte die Herstellung von Energie aus erneuerbaren Energiequellen von 7.193 Gigawattstunden im Jahr 2008 auf 10.438 Gigawattstunden im Jahr 2014 ausgebaut werden. Das ist zum einen auf den Ausbau der hydroelektrischen Energie zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die Photovoltaik und die Biomasse, zwei Energiequellen, deren Anteil im Jahr 2008 bei 1,2 Prozent lag und 2014 bei 6,5 Prozent. Diese Zahlen bekommen eine noch größere Aussagekraft, wenn man sie in Relation setzt zum Wirtschaftswachstum und zur demografischen Entwicklung: Obwohl das Bruttoinlandsprodukt und die Anzahl der Einwohner in Südtirol gestiegen sind, konnten im gleichen Zeitraum sowohl der Energieverbrauch als auch der CO2-Ausstoß reduziert werden. Das ist ein Erfolg, auf den wir stolz sein können. > Radius: Die Energiepolitik ist demnach ein wesentlicher Faktor für den Klimaschutz? LR Theiner: Absolut. Südtirol verfügt über ein langjähriges Know-how bei der Herstellung und Verteilung von Energie. Ein Beispiel: Im Jahr 2008 gab es 71 Fernheizwerke, davon 66 mit Wärmeproduktion aus Biomasse und fünf aus Abwärme, im Jahr 2014 waren es 82 Fernheizwerke, davon 77 mit Wärmeproduktion aus Biomasse und fünf aus Abwärme. 2014 erzeugten sie 897 Millionen Kilowattstunden an Wärme pro Jahr, davon 768 aus erneuerbaren Energiequellen. 2016 gab es 1.008 E-Werke, die 821,6 Megawatt Strom produzierten. Man muss allerdings auch erwähnen,

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