Get the FLASH PLAYER to view this magazine:

Get Adobe Flash player

- or -

View as HTML version

Radius Energie und Umwelt 2017

10 05/2017 dass es sowohl bei den Fernheizwerken als auch bei der Energiegewinnung durch Wasserkraft in Zukunft kaum Zuwachsraten geben wird, weil das Potenzial weitgehend ausgeschöpft ist. > Radius: Das eine ist die Herstellung von sauberer Energie und das andere der sparsame Verbrauch. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt, und konnten diese erreicht werden? LR Theiner: Der Klima-Plan „Energie-Südtirol-2050“ sieht vor, dass der Energieverbrauch deutlich reduziert werden soll. Eine Überprüfung durch die Landesumweltagentur hat ergeben, dass wir voll auf Kurs sind: 2008 lag der Energieverbrauch noch bei 2.761 Watt pro Einwohner und Jahr, 2014 bei 2.731 Watt. Unser Ziel für 2020 sind 2.500 Watt. Ich bin absolut überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen werden. Dazu gehört aber auch, dass wir die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern, den Anteil an fossilen Rohstoffen reduzieren und auf eine Mobilität umsteigen, die mittel- bis langfristig auf Verbrennungsmotoren verzichtet. > Radius: Wie wollen Sie das erreichen? LR Theiner: Indem wir die schadstoffarme beziehungsweise schadstofffreie Mobilität, das energieeffiziente Bauen und die Sanierung von bestehenden Gebäuden fördern. (siehe dazu die Beiträge auf den Seiten 6 und 7, AdR) > Radius: Welche Bedeutung hatte die Gründung der Energiegesellschaft „Alperia“ in diesem Zusammenhang? LR Theiner: Die Gründung der Alperia, die aus dem Zusammenschluss von Sel und Etschwerken hervorgegangen ist, war ein Meilenstein. Die Alperia ist der drittgrößte Stromproduzent aus Wasserkraft in Italien und damit ein Unternehmen von überregionaler Bedeutung. Es sind Investitionen von mehreren Hundert Millionen Euro vorgesehen, die zu einem Innovationsschub im Energiebereich führen werden. Und vor allem gibt uns Alperia die Möglichkeit, den Energiebereich autonom zu gestalten, die Versorgungssicherheit im Land zu verbessern, in benutzerfreundliche Dienste zu investieren und wettbewerbsfähige Tarife festzulegen. Und nicht zu vergessen: Alperia beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter. > Radius: Stichwort „Versorgungssicherheit“. Was haben Sie diesbezüglich unternommen? LR Theiner: Am 1. Januar 2011 hat Südtirol von ENEL die Verwaltung und Führung des 5.100 Kilometer langen Leitungsnetzes im Bereich Mittelspannung und Niederspannung sowie 19 Übergabestationen im Bereich Hoch- zu Mittelspannung übernommen. Das war ein großer autonomiepolitischer Erfolg, auf den wir lange hingearbeitet haben. Nach der Übernahme wurde allerdings auch klar, dass diese Infrastruktur den Anforderungen der heutigen Zeit nicht mehr gerecht wird. Ich habe deshalb die Ausarbeitung eines Masterplans in Auftrag gegeben, in dem konkrete Maßnahmen zur Modernisierung des gesamten Stromverteilungsnetzes in Südtirol festlegt werden. Dieser Plan liegt jetzt vor, und die darin vorgesehenen Maßnahmen werden schrittweise umgesetzt. aktuell Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Edyna, die aus einer Fusion von Selnet AG und Etschwerke-Netze AG hervorgegangen ist, seit 2011 bereits Investitionen im Ausmaß von 113 Millionen Euro getätigt hat, um die größten Engpässe zu beseitigen. Bis 2023 sollen weitere Investitionen in der Höhe von 199 Millionen Euro folgen. > Radius: Ein Thema, das sehr viele Menschen interessiert, ist der Gratisstrom. Steht der Gratisstrom nicht im Widerspruch zur Energieeffizienz? LR Theiner: Wenn die Energie, die von privaten Haushalten oder Betrieben verbraucht wird, nichts mehr kostet, dann würden wir tatsächlich ein Effizienzproblem schaffen, denn dann wäre es aus Kostengründen egal, wenn – bildlich gesprochen – Tag und Nacht die Lichter brennen. Damit das nicht passiert, wollen wir den Strom bis zu einer bestimmten Menge zu einem stark reduzierten Preis anbieten. Wird aber diese Menge überschritten, dann muss man dafür bezahlen. Ich glaube, dass das absolut vertretbar und notwendig ist, weil wir die Kosten als Regulativ brauchen. > Radius: Wann wird Südtirol energieautark sein, oder anders gefragt: Halten Sie es für realistisch, dass Südtirol auf Energieimporte eines Tages nicht mehr angewiesen ist? LR Theiner: Südtirol produziert bereits jetzt mehr Energie, als es benötigt. Der springende Punkt ist ein anderer: Ist es möglich, den Energie- und Wärmeverbrauch so umzustellen, dass wir auf den Import von fossilen Brennstoff nicht mehr angewiesen sind? Denn wir importieren pro Jahr 117 Millionen Liter Benzin und 230 Millionen Liter Diesel. Studien der EURAC zeigen, dass das möglich ist. Das setzt aber voraus, dass zum Beispiel der Wärmeverbrauch von Gebäuden deutlich reduziert wird und die Mobilität möglichst emissionsfrei stattfindet. Wenn uns das gelingt, würden wir zwei Dinge auf einmal erreichen: Private und öffentliche Haushalte müssten weniger Geld für den Einkauf von Energie und Wärme bezahlen, und wir könnten das Ziel erreichen, das wir uns mit dem Klimaplan gegeben haben, nämlich die CO2-Emission bis 2050 auf 1,5 Tonnen pro Person und Jahr zu reduzieren. Das setzt allerdings voraus, dass wir in den nächsten Jahren die Investitionen in die erneuerbaren Energien deutlich anheben. Dank Wasserkraft produziert Südtirol „grüne Energie“ im Überschuss.

Page 1
Page 2
Page 3
Page 4
Page 5
Page 6
Page 7
Page 8
Page 9
Page 10
Page 11
Page 12
Page 13
Page 14
Page 15
Page 16
Page 17
Page 18
Page 19
Page 20
Page 21
Page 22
Page 23
Page 24
Page 25
Page 26
Page 27
Page 28
Page 29
Page 30
Page 31
Page 32
Page 33
Page 34
Page 35
Page 36
Page 37
Page 38
Page 39
Page 40
Page 41
Page 42
Page 43
Page 44
Page 45
Page 46
Page 47
Page 48
Page 49
Page 50
Page 51
Page 52