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Florian Zerzer ist so zusagen der
Gesundheitsmanager des Landes.
Als Ressortdirektor von Richard
Theiner muss er in seinem Job
Politik und Verwaltung auf einen
gemeinsamen Nenner bringen.
Alle kleinen und großen Fragen
des Gesundheitswesens gehen
über seinen Tisch. Dass er früher
am liebsten Schach spielte, ist
bezeichnend für sein Naturell.
Seine Aufgabe ist die Umsetzung der
politischen Ziele in der Verwaltung
und das in den beiden Landesabteilungen
Gesundheit und Soziales/Familie.
Er ist vom Landesrat berufen,
hat keinen Beamtenvertrag, steht aber
über den Abteilungsdirektoren.
G e s u n d h e i t s d i e n s t e
G e s u n d h e i t s d i e n s t e
harte bretter bohren hin zur Gesundheitslandschaft
Klinische Reform
Die größte Nuss, die Florian Zerzer
zu knacken hat, ist der zweite Teil der
Neuordnung des Gesundheitswesens.
Mit Abteilungsdirektor Albert Tschager
und den Spitzen des Sanitätsbetriebes
bildet er ein permanentes Team.
Wo liegen da eigentlich die Schwierigkeiten?
„Das Gesundheitswesen entwickelt
sich immer noch sehr schnell.
Einmal von der Technik und Wissenschaft
her, weil die immer bessere,
aber auch vielfältigere Heiltechniken
und Arzneien hervorbringen, zweitens
durch die neuen Bedürfnisse, aber
auch die sehr viel höheren Ansprüche
der Patienten von heute. Unterm
Strich kostet beides mehr Geld, und
Geld vermehrt sich nicht von alleine“,
stellt Zerzer nüchtern fest.
Intensive Arbeit
Wenn man Gesundheit auch in Zukunft
finanzieren und jedermann zugänglich
machen möchte, dann müsse sich einiges
ändern. Gesetzliche und organisatorische
Weichenstellungen sind
die notwendige Voraussetzung für
Ressordirektor Florian Zerzer
Neuerungen, aber die Arbeit am Umbau
des Systems, die ist damit noch
lange nicht gemacht. Da heißt es harte
Bretter bohren. Es müsse sich letztlich
auch in den Köpfen viel ändern, und
zwar sowohl beim Gesundheitspersonal
als auch bei den Patienten – das
gehe nicht von heute auf morgen. „Wir
arbeiten intensiv an der Neuordnung.
Sie wird dem Gesundheitswesen insgesamt
sicher gut tun. Aber es ist ein
über Jahre fortschreitendes Bauwerk,
das erst nach und nach sichtbar wird“,
erklärt der Chef im Theiner-Ressort.
Er möchte den Beweis erbringen, dass
das Südtiroler Gesundheitssystem im
internationalen Vergleich am
zukunftsträchtigsten ist,
weil kostengünstig und
effizient zugleich.
Die Stiftung vital
Wenn die Rede auf die
landeseigene Stiftung
Vital kommt, dann kommt
ihr Präsident
Florian Zerzer richtig in Fahrt. Europa
sei mittendrin in der dritten großen Gesundheitsrevolution.
Der Schwerpunkt
verlagere sich vom Krankheiten behandeln
auf Gesundheit erhalten in einer
ganzheitliche Sicht. „Das heißt, dass
wir unsere Gesundheit nicht mehr allein
dem Arzt überantworten, sondern
selber Verantwortung zeigen“, erklärt
Zerzer. Die Stiftung arbeite genau in diese
Richtung. Dazu gehörten Aktionen
wie die Rückenschule, die Bekämpfung
des Burnouts oder der Kampagnen für
mehr Bewegung. Wie gesund lebt er
selbst? „Nicht gesund genug, aber immer
gesünder. Treppen statt Aufzug,
Gymnastik vor dem Fernseher, tägliche
Spaziergänge oder Laufen.“
Wie er sich selbst sieht? „Geduldig,
ausgeglichen, konsequent
und hartnäckig, wenn
eine Entscheidung getroffen
ist, und optimistisch.“ Dass
er Optimist ist, beweist Zerzer
auch in seinem Privatleben: Am
19. April wurde er zum dritten
Mal Vater.
Albert Tschager ist der geschäftsführende
Direktor der Abteilung
Gesundheitswesen des Landes.
Als führender Beamter arbeitet
er mit Leidenschaft für die
Sache. Er setzt auf eine neue
Gesundheitslandschaft, auf mehr
Vorsorge, und das Umdenken in
den Köpfen.
Radius: Der Sanitätsbetrieb steht gut da …
A. Tschager: Ja, der erste Teil der Gesundheitsreform
ist im Gang. Die
schnellen Kostenzuwächse der neunziger
Jahre konnten durch den Zusammenschluss
der Betriebe und eine rationalere
Verwaltung eingebremst werden.
Dieses Ziel war ein Hauptgrund
für die Reform, und dieses Ziel haben
wir erreicht. Aber die Herausforderung
bleibt bestehen: Wie kann ich einen angemessenen,
qualitativ hoch stehenden
und finanzierbaren Gesundheitsdienst
auch in Zukunft gewährleisten? Ich
fühle mich manchmal wie der Kapitän
eines Ozeandampfers, der beizeiten
den Kurs wechseln muss, wenn er dem
Eisberg ausweichen will.
Radius: Sie denken hier an das Pflegeproblem?
A. Tschager: Auch. Derzeit zählen wir
13.000 Pflegebedürftige, die zu zwei
Dritteln von den Familien versorgt
werden. In zehn Jahren werden es
um die 25.000 sein. Bis dahin müssen
wir die medizinische, pflegerische
und die soziale Betreuung draußen
vor Ort haben. Wir Fachleute nennen
das „Territorium“, also das Einzugsgebiet
eines Krankenhauses. Aber
werden soll es eine vielgestaltige Gesundheitslandschaft.
Radius: Und das heißt?
A. Tschager: Das heißt weniger Krankenhausbetten,
mehr Pflegebetten,
Schaffung von Netzwerken um die Familie
herum, weniger Standard, mehr
Flexibilität, mehr Informatik und Telemedizin.
Radius: Also doch weniger Krankenhäuser?
A. Tschager: Nein, weniger Krankenhaus
heißt mehr „Territorium“. Das
Krankenhaus ist richtig für die Akut-
Abteilungsdirektor Albert Tschager
versorgung und für hoch spezialisierte
Leistungen. Die bestehenden Krankenhäuser
werden in ein abgestuftes
System gebracht. Entscheidend dafür
sind die so genannten Kompetenzzentren,
d.h. man spezialisiert sich
auf bestimmte Behandlungen. Ein
Krankenhaus gewinnt so an Profil
und kann Patienten mit bestimmten
Krankheitsbildern hervorragend behandeln.
Die kommen dann aus dem
ganzen Land, aber auch von überall
her. Bei den chronisch Kranken, die
ja zunehmen, wird das Krankenhaus
Teile seiner bisherigen Betreuung
nach außen verlagern müssen, in die
Nähe der Patienten, die viel zuhause
oder in besonderen Einrichtungen gepflegt
werden.
Radius: Das zunehmende Alter der Bevölkerung
bedingt auch einen höheren
Bedarf an Diensten.
A. Tschager: Genau. Und hier heißt es:
Vorsorgen statt reparieren! Wir sind
auf die Mithilfe der Bürger angewiesen.
Beispiel: Wir haben in Südtirol 7000 Diabetiker,
die nichts von ihrer Krankheit
wissen. Nicht erkannte Diabetes kann
nicht behandelt werden. Sie zieht weitere,
schwere Krankheiten nach sich.
Das summiert sich zu enormen Folgekosten
für das Gesundheitswesen, die
vermeidbar sind. Der Schlüssel zur Vorsorge
sind motivierte und informierte
Menschen. Dafür müssen wir sorgen.
Radius: Und die Basismedizin?
A. Tschager: Die Allgemeinmedizin ist
das wichtigste Bindeglied zwischen
Patient und Krankenhaus. Wenn wir
das Krankenhaus entlasten wollen,
muss die Basismedizin ausgebaut
werden. Sprechstunden von früh bis
spät. Rund-um-die-Uhr-Dienste. Wir
müssen nach neuen Wegen suchen,
gemeinsam mit allen Beteiligten. Die
Reform ist primär nicht eine Geldfrage,
sondern eine Kopffrage!
Radius: Albert Tschager privat?
A. Tschager: Opa mit Leidenschaft, Tischler,
Maurer, Fließenleger, Theater-, Kino-
und Konzertliebhaber. Ich packe an, was
es anzupacken gibt.
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