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Verlagskatalog Athesia-Tappeiner Frühjahr 2017

Kultur & Belletristik 24 8 9 Alter Lärmbrauch: das „Schellausläuten“ Erzählen von früher: die Hilda, die Paula und die Adelheid 27 Jahre als Senner. In Terenten sind wir so um 4 Uhr früh aufgebrochen. Bis in die Vintl hinunter mussten wir uns sehr bemühen, dass die Tiere nicht zu schnell rannten. Mühlbach wollten wir noch vor dem Einsetzen des Berufsverkehrs erreichen. Kaum zu bändigen waren die Tiere, wenn vor Mühlbach der Bahnübergang geschlossen war. Wenn alles gut ging, zogen wir nach 7 Uhr früh durchs Mühlbacher Dörfl. Auch wenn die Kühe in der Gasse Kuhfladen verloren und Schaufenster durch Kuhspeichel beschmutzt wurde, die Mühlbacher haben sich nie darüber aufgeregt. Ältere Kühe kannten den Weg von früher, sie bogen von alleine in die Valler Strasse ein. Beim Hansjörgl im hintersten Tal hielten wir das erste Mal Rast 1952, Begräbnis Arnold Fischnaller, in der Liener Gasse 20 und aßen etwas zu Mittag. Dann brauchten wir noch drei Stunden treiben auf dem schmalen Weg brav gefolgt. 21 um die müden Tiere auf die Alm zu bringen. Die Schweine waren in einer „Penne“ mit einem Pferd nach Vals gebracht worden. Die „Diarn“ musste sie vom Gföllkreuz weg auf die Alm treiben. Bergauf gehen die Schweine lieber, beim bergab gehen und beim Überqueren von Bächen haben sie uns aber oft große Schwierigkeiten bereitet. Beim Almabtrieb im Oktober sind die Tage schon kürzer. Bei Tagesanbruch waren wir schon beim Gföllkreuz herunten Noch vor Mittag wollten wir in Vintl sein. Vor und hinter den Kühen haben sich die Autos gestaut. So mancher Autofahrer hat uns Treiber und die langsamen Kühe lautstark verflucht. Beim „Bürgstalltrog“ in Terenten hielten wir Rast. Dort haben wir den Kühen die Glocken umgehängt, die Leitkuh wurde mit dem Kranz geschmückt. An eine Kuh erinnere ich mich besonders, sie hatte nur mehr ein Auge und trug diesen Kranz immer mit sichtbarem Stolz. Es war schon ein schönes Bild, wenn die Kühe, Kälber, Ziegen und Schafe mit lautem Glockengeläut so um 3 Uhr nachmittags durchs Dorf zum Oberleitner zogen. Die Durchführung dieser Almauf- und abtriebe wurde nach 1970 durch das starke Verkehrsaufkommen auf der Pustertaler Staatsstraße immer schwieriger und deswegen aufgegeben. Sehenswert ist hingegen der Almauf- und Abtrieb auf Aschila. Diese Alm hat keinen befahrbaren Zufahrtsweg und der neue Besitzer möchte dies auch so beibehalten. Ein Almabtrieb ist dem Senner Josef Mair besonders in Erinnerung geblieben. 2007 lagen bei der Hütte, die auf 2247 Metern Seehöhe liegt, 40 cm Neuschnee. Die Kalbinnen müssen die Gefahr gespürt haben, denn sie sind dem Senner trotz Nebel und Schnee- 2009 erlebte Josef Mair seinen schlimmsten Almsommer: 14 Kalbinnen stürzten über steiles Gelände in den Tod. Ein solches Unglück hat er in seinen sechsundzwanzig Jahren als Senner nie erlebt. Ein Erlebnis, das diesem altgedienten Senner beim Erzählen zu Tränen rührt. Als 1917 eine Lawine die Stampfl Stin Alm zerstörte, wurden zwei Ställe tunnelartig in den Berg gebaut. Sie trotzten in den Jahren danach allen Lawinen. Beim Neubau der Stin Alm, 2011, blieb einer dieser einzigartigen Ställe erhalten. Früher mussten die Hirtenbuben im Gewölbe oberhalb der Kühe auf einer Art Empore schlafen. Der Stallgeruch in den Kleidern gab zu der Zeit sicher nicht zu Klagen Anlaß, aber es gibt auch das Sprichwort: „Die Fütterer san schun bsundra Leut’, siecht man sie net, so schmeckt man sie weit“ 12 13 Prachtblume: der Türkenbund Stengelloses Leimkraut auf der Ebengrubenspitze

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